Filmreihe: Traumfabrik

FILM über FILM: Filmemachen und Filmemacher in Kinofilmen

Filmemacherinnen und -macher haben schon immer über ihr Medium, den Film, nachgedacht – am liebsten in ihren eigenen Filmen. Besonders häufig scheint das in der filmischen Postmoderne seit 1980 zu geschehen – jüngstes Beispiel ist Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“. Solche Filme erkunden die eigenen Voraussetzungen und legen diese offen – deshalb sind sie besonders geeignet, das Medium und seine Codes kennen zu lernen: die Zeichensysteme der Bilder, der Sprache, der Töne. Manchmal in komödiantischer, manchmal in dramatischer Form geht es dabei auch um alle denkbaren Arten von Rahmenbedingungen des kreativen und produktiven Prozesses.

Die 18. Auflage der Traumfabrik wirft Blicke hinter die Kulissen des Films und stellt Filme über Filme vor: Genres wie Musical, Dokumentarfilm, Film Noir, Thriller, Biopic, Nouvelle Vague, Drama oder Komödie. Filmautoren von Dziga Vertov und Billy Wilder, über Jean-Luc Godard und David Lynch bis zu Quentin Tarantino und den Coen Brothers stehen auf dem Programm.

Wie stets gibt es zu jedem Film eine Mikroeinführung und ein anschließendes Kinogespräch, in dem spontan eigene Seherfahrungen verglichen und Fragen gestellt werden können.

Ergänzend zur Reihe bieten das ZAK und die AWWK Filmseminare an. Am Mittwoch, 15. Januar 2020 findet im ZKM Medientheater das Filmexploratorium „Der autoreflexive Film – Spiegelbilder eines Mediums“ statt.

Zugleich feiern wir 10 Jahre Karlsruher „Traumfabrik“ 2010-2020 und hoffen, Sie in alter Frische wieder begrüßen zu dürfen: feiern Sie mit uns, und entdecken Sie mit uns die Bandbreite filmästhetischer Perspektiven!

 

Filmexploratorium: Der autoreflexive Film – Spiegelbilder eines Mediums
Mittwoch, 15. Januar 2020 um 18 Uhr, ZKM Medientheater
Eintritt Frei

Wie Künstler anderer Gattungen auch hat es immer wieder Filmemacher gegeben, die in ihren Arbeiten über ihr Medium selbst nachgedacht haben: über Bedeutungen, Gesetzmäßigkeiten und Freiheitsgrade der filmischen Codes, über soziale und ökonomische Produktionsbedingungen, über künstlerische Autonomie der Autoren und Zwänge der Unterhaltungsindustrie, über die Künstlichkeit der Medienwelt und Versuche, die Wirklichkeit der Lebenswelt zu fassen.

Ergänzend zur Filmreihe Traumfabrik #18 „FILM über FILM“ sollen im Filmexploratorium einige aussagekräftige Filmausschnitte vorgestellt und erläutert werden.

 

Programm

So 27.Okt. - 15 Uhr 

H.C. Potter: Hellzapoppin‘ - In der Hölle ist der Teufel los. USA 1941, 84‘ – 35mm dt. 
Mit Ole Olsen, Chic Johnson, Martha Raye, Elisha Cook Jr., The Congaroo Dancers. 
Ein  Film  über  einen  Film  über  ein  erfolgreiches  Broadwaymusical  von  1938  –  slapstickhaft, chaotisch,  surreal,  burlesk,  mit  rasanten  Lindy-Hop-Einlagen  aus  der  Swing-Jazz-Ära.  Dabei blicken wir immer wieder hinter die Kulissen der Traumfabrik. Das Komikerduo Olson & Johnson bricht  –  wie  die  Marx  Brothers  –  mit  allen  Konventionen  des  Film-  und  Showbusiness,  läßt Handlungslogik und Langeweile keine Chance: Humor ist subversiv, er stellt die Wirklichkeit auf den Kopf. 
MUSICAL COMEDY 

So 3.Nov. - 15 Uhr 

Billy Wilder: Sunset Boulevard. USA 1950, 110‘ – OmU  
Drehbuch:  Billy  Wilder,  Charles  Brackett;  Musik:  Franz  Waxman;  mit  Gloria Swanson,  William Holden, Erich von Stroheim, Cecil B. DeMille. - 3 OSCARS  
Wie  kam  die  Leiche  eines  unbekannten  Drehbuchautors  in  den Swimmingpool  eines  ehemals berühmten  Hollywood-Stummfilmstars  (Gloria Swanson)?  Billy  Wilders  Film  noir  erkundet  die Obsessionen  des  Glamours. Mit  Gastauftritten von Buster  Keaton  und  Cecil  B.  DeMille; Gloria Swanson und Erich von Stroheim, einst selbst einer der stilprägenden Stummfilmregisseure, in  Glanzrollen.  
FILM NOIR  

So 10.Nov. - 15 Uhr 

Dziga Vertov: Der Mann mit der Kamera. UdSSR 1929, 80‘  
Stummfilm mit LIVE-Vertonung: NO INPUT Ensemble  
Kamera: Mikhail Kaufman, Schnitt: Elizaveta Svilova. BFI Top Ten 2012 #8 
Ein  Tag  im  Leben  der  Sowjetmenschen,  in  Stalins  Anfangsjahren: Stadtleben, Technik, Maschinen, Menschen, im Alltag, bei der Arbeit, bei Freizeitvergnügen (incl. Hakenkreuzler als Schießbudenfigur).  Dziga  Vertov,  Wochenschau-Praktiker  und  experimentierfreudiger Avantgardist, erprobte hier, mit viel Special Effects, eine reine, internationale Filmsprache - noch immer anregend, gilt er heute als bester Dokumentarfilm aller Zeiten.  
EXPERIMENTELLER DOKUMENTARFILM 

So 17.Nov. - 15 Uhr

Jean-Luc Godard: Le Mépris / Die Verachtung. F 1963, 102‘ – 35mm dt. 
Mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang
In den Cinecitta-Studios bei Rom wird ein Hollywood-Film über die Odyssee produziert; Fritz Lang („Metropolis“) soll Regie führen. Eine Dreiecksgeschichte zwischen Drehbuchautor, seiner Frau und dem Filmproduzenten nimmt ihren Lauf, in der Godard sein zentrales Thema untersucht: die Dynamik zwischen Liebe, Arbeit und Kino. Jean-Luc Godard (1968 Mitgründer der „Gruppe Dziga Vertov“) trifft  Fritz  Lang  –  ein  Gipfeltreffen  der  Regisseure,  der  Generationen  und der Filmkulturen.  
NOUVELLE VAGUE DRAMA  

So 24.Nov. - 15 Uhr 

François Truffaut: Die amerikanische Nacht. F 1973, 115‘ – 35mm dt. 
Mit Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Léaud, François Truffaut. OSCAR 
Bei  den  Dreharbeiten  zu  einem  Melodrama  in  Nizza  verquickt  sich  die Filmhandlung  mit  den Geschichten und Beziehungen der Akteure sowie den Dramen, die sich um die Filmproduktion abspielen. François Truffaut, Vorkämpfer des Autorenfilms der Nouvelle vague, übernahm selbst die Rolle des Regisseurs in einem sehr persönlichen Film: Filmemachen als Existenzform - sind Filme wichtiger als das Leben?  
FILMDREH-DRAMA  

So 1.Dez. - 15 Uhr

Wim Wenders: Der Stand der Dinge. Portugal / D / USA 1982, 124‘ – OmU 
Mit Patrick Bauchau, Allen Garfield, Samuel Fuller, Roger Corman. Goldener Löwe Venedig
Bei Dreharbeiten zu einem Science-Fiction-Film sitzt das Filmteam in einem verlassenen Hotel in Portugal fest. Als der letzte Meter Film verbraucht ist, entschließt sich der Regisseur, in Hollywood auf die Suche nach seinem Produzenten zu gehen. Regisseur Wim Wenders verarbeitete eigene Erfahrungen in seinem Film um Mafiageld und Schwarzweiß-Ästhetik; mit Regielegende Samuel Fuller in der Rolle des Kameramanns, sowie einem Gastauftritt des legendären B-Filmproduzenten Roger Corman.
FILMPRODUKTIONSDRAMA

So 8.Dez. - 15 Uhr

Giuseppe Tornatore: Cinema Paradiso. I 1988, 118‘ – 35mm dt. 
Mit Philippe Noiret, Jacques Perrin, Salvatore Cascio. Musik: Ennio & Andrea Morricone OSCAR
Ein Filmregisseur erinnert sich an seine Kindheit in einem sizilianischen Dorf, an seine erste große Liebe, vor allem auch an das Dorfkino und seinen Freund, den Filmvorführer. Regisseur Giuseppe Tornatore verarbeitet Teile seiner eigenen Lebensgeschichte, und zeigt in seinem Film zahlreiche Ausschnitte aus alten Filmklassikern. 
KINO- & LEBENSGESCHICHTE 

So 15. Dez. - 15 Uhr

David Lynch: Mulholland Drive. USA 2001, 146‘ – 35mm dt.
Mit Naomi Watts, Laura Elena Harring, Justin Theroux, Robert Forster
Eine junge hoffnungsvolle Schauspielerin kommt nach Hollywood, um ein Filmstar zu werden. Sie begegnet einer geheimnisvollen Fremden, die nach einem Unfall offenbar ihr Gedächtnis verloren hat; beide werden sie in Intrigen um eine Filmproduktion verwickelt. Mit Anklängen an Vorbilder wie Billy Wilders „Sunset Boulevard“ oder Hitchcocks „Vertigo“ hat David Lynch ein rätselhaftes, anfangs sinnverwirrend erscheinendes Gedankenspiel zwischen Traum und Wirklichkeit inszeniert.
NEONOIR MYSTERY THRILLER 

 

Wir wünschen Ihnen Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr 2020!

So 12.Jan. - 15 Uhr

Richard Attenborough: Chaplin. GB 1992, 143‘ –dt. 
Mit Robert Downey Jr., Marisa Tomei, Dan Aykroyd, Penelope Ann Miller, Kevin Kline.
In den 1920ern populärster Filmstar der Welt, Mitgründer eines Filmstudios, unabhängiger Regisseur und Produzent, trug Charlie Chaplin dazu bei, Hollywood zu einem Markenzeichen für Entertainment zu machen – in den 50ern wurde er im Zuge der Kommunistenjagd des McCarthyismus als unerwünschter Ausländer des Landes verwiesen (obwohl er selbst sich nie als Kommunist verstand): kritisches Denken war unerwünscht und sein Lebenswandel galt als unmoralisch. In seiner Autobiographie, von Richard Attenborough ins Bild gesetzt, reflektiert Charlie über Höhen und Tiefen des (Kino-)Lebens.
FILMSTARBIOGRAPHIE 

Mi 15.Jan. - 18 Uhr

Filmexploratorium im ZKM Medientheater, Lorenzstr. 19
Der autoreflexive Film – Spiegelbilder eines Mediums. Mit Filmbeispielen.  
siehe Begleitprogramm. Eintritt FREI

So 19.Jan. - 15 Uhr

Tim Burton: Ed Wood. USA 1994, 126‘ – OmU 
Mit Johnny Depp, Martin Landau, Sarah Jessica Parker, Patricia Arquette, Bill Murray. 2 OSCARS
Mit Bela Lugosi, Star der Dracula-Filme der 1930er, startet Ed Wood eine neue chaotische Produktion; die unverhoffte Begegnung mit Meisterregisseur Orson Welles macht ihm wieder Mut. Die Filmbiographie über die wunderbare Karriere des Mannes, der als schlechtester Filmemacher der Welt in die Geschichte einging – Tim Burton („Edward Scissorhands“, „Batman“) machte sie zu einer Liebeserklärung an das Kino. 
BIOPIC COMEDY 

Fr 24.Jan. - 17:30 Uhr

Beginn FILMSEMINAR in der Schauburg 
Innenansichten der Traumfabrik: Filme über FILM. 6 Filmanalysen an 6 Terminen
Siehe Begleitprogramm. Anmeldung: www.awwk-karlsruhe.de

So 26.Jan. - 15 Uhr

Michel Hazanavicius: The Artist. F 2011, 100‘ – 35mm dt.
Mit Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman, Malcolm McDowell. 5 OSCARS
Stummfilmstar George Valentin, vom Wert seiner Kunst überzeugt, verweigert den Übergang zum Tonfilm; doch der Wandel ist unaufhaltsam, sein Karriereabsturz scheint unausweichlich – wären da nicht eine hartnäckige Verehrerin, sein treuer Chauffeur und sein kleiner Hund. Mit internationalen Filmpreisen und dem Kassenerfolg bewies Regisseur Michel Hazanavicius: die Ästhetik des Stummfilms und der Schwarzweiß-Filme kann nicht so schnell veralten.
STUMMFILM COMEDY-DRAMA 

So 2.Feb. - 15 Uhr

10 Jahre Karlsruher Tusculum - Grußwort: Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha, ZAK Joel & Ethan Coen: Hail Caesar! USA 2016, 106‘ – OmU 
Mit George Clooney, Josh Brolin, Alden Ehrenreich, Tilda Swinton, Ralph Fiennes.
Bei den Dreharbeiten zu einem Bibelfilm wird der Star (George Clooney) entführt: Studioboss Eddie Mannix versucht, die Lage zu retten. Die Brüder Joel & Ethan Coen erweisen sich einmal mehr als Chronisten des American Way of Life und Liebhaber exquisiter Sprachspiele: Ein amüsantes, ironisches, interkulturelles Spielfilm-Traktat über den wahren Glauben: Christentum oder Judentum, Kommunismus oder Kapitalismus, oder doch lieber … die Traumfabrik Hollywoods? 
COLD WAR BIBLICAL EPIC PRODUCTION COMEDY

So 9.Feb. - 15 Uhr

Terry Gilliam: The Man Who Killed Don Quixote. GB 2018, 132‘ – OmU 
Mit Adam Driver, Jonathan Pryce, Stellan Skarsgard, Olga Kurylenko.
Toby, Werbefilmer im Dienst der russischen Mafia, früher ambitionierter Jungregisseur, trifft in Spanien einen alten Dorfbewohner, der einst in seinem Film auftrat und sich mittlerweile für Don Quixote hält. Gemeinsam werden sie in Abenteuer verwickelt, zwischen surrealem Traum und absurder Wirklichkeit. Nach einer Produktionszeit von rund 30 Jahren, mit mehreren Darstellerwechseln und Drehbuchänderungen, gelang es Terry Gilliam doch noch, sein Traumprojekt schließlich in Cannes zur Premiere zu bringen. 
SURREALES FILM ABENTEUER 

So 16.Feb. - 15 Uhr

Quentin Tarantino: Once Upon a Time … in Hollywood. USA 2019, 161‘ – OmU 
Mit Leonardo Di Caprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Kurt Russell, Al Pacino, Bruce Dern
Ein abgehalfterter TV-Western-Star - Leonardo DiCaprio („DjangoUnchained“) - und sein Stunt-Double - Brad Pitt („Inglourious Basterds“) werden 1969 mit der neuen Welle der Italowestern konfrontiert. In der Nachbarschaft wohnen Roman Polanski und Sharon Tate, und in den Westernkulissen der Spahn Ranch hat sich Charles Manson mit seiner Hippie-Family einquartiert – der Rest ist Hollywood-Geschichte, sollte man meinen. Aber Tarantino ist immer für eine Überraschung gut. In einer Art Erweiterung von Sergio Leones Amerika-Trilogie zieht er alle Register seiner filmischen Innovationen, von „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“, über „Kill Bill“ und „Jackie Brown“ bis zu „The Hateful 8“.
HOLLYWOOD EXPLOITATION BLACK COMEDY THRILLER

 

Änderungen sind nicht beabsichtigt, müssen wir uns jedoch ausdrücklich vorbehalten! Laufzeiten der Filme können abweichen; OmU = Originalfassung mit dt. Untertiteln

ZEIT: Sonntags, 15 Uhr (wenn nicht anders angegeben)
ORT: Filmtheater Schauburg, Karlsruhe, Marienstr. 16
EINTRITT: 9 Euro- / ermäßigt 7,50 Euro / SeminarteilnehmerInnen 6 Euro

Filmreihe kuratiert von Wolfgang Petroll und Herbert Born. Alle Filme mit Mikro-Einführung von Wolfgang Petroll (ZAK) und Kinogespräch. Mit freundlicher Unterstützung der Georg-Fricker-Stiftung