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Karlsruher Gespräche 2011

Ins Netz gegangen? Google-Kulturen global

Ian Rowlands

Referent

 

Ian Rowlands

Ian Rowlands ist Professor für Informationswissenschaften am University College London (UCL) und hält im Rahmen des Master-Studiengangs Verlagswesen Vorlesungen. Der ursprünglich zum Biowissenschaftler ausgebildete Rowlands begeisterte sich nach seinem Studienabschluss für das Bibliotheks- und Verlagswesen und arbeitete zehn Jahre lang im Bereich Database Publishing, bevor er sich 1993 der akademischen Welt zuwandte. Seine Forschungsinteressen gelten dem Verlegen von Zeitschriften, dem Verhalten bei der Informationssuche und der Bibliometrie; alle drei Themen werden in der Forschungsgruppe CIBER am UCL bearbeitet.

Das ZAK bat Prof. Dr. Ian Rowlands, folgende Fragen zu beantworten:

1.    Die Zukunft unserer Wissensgesellschaft – ist das Internet die Quelle einer Informationsüberflutung oder bereitet es den Boden für eine neue Wissensgesellschaft?

Zur Beantwortung dieser Frage wird dringend eine ernsthafte Strategie für empirische Arbeiten benötigt. Bei CIBER erforschen wir seit fast zehn Jahren das Verhalten bei der Informationssuche im Netz. Unsere Daten sind vieldeutig. Entweder verblöden wir wirklich (Protokolldaten zeigen, dass Menschen online unglaublich ungeduldig sind und mit großer Geschwindigkeit weiterklicken, anstatt das Material linear zu lesen) oder neue Formen des ‚strategischen Lesens‘ entstehen als Reaktion auf eine sicherlich beispiellose Überflutung. Beide Interpretationen unserer Daten sind vertretbar. Es ist wichtig, mit Neurowissenschaftlern zusammenarbeiten, um auf diese extrem wichtige Frage eine Antwort zu finden, sowie auf die Frage, wie das Netz unser Gehirn neu verdrahtet.

2.    Kann das Internet tatsächlich zu verstärkter Partizipation der Bürger beitragen oder sind die Visionen einer neuen Demokratie im Netz bloße Illusionen?

Ja, das Internet kann die Partizipation der Bürger eindeutig verstärken und dafür gibt es zahlreiche bemerkenswerte Beispiele. Meine persönliche Sorge ist, dass die sozialen Medien die Gesellschaft teilen könnten, statt sie zusammen zu führen. Soziale Medien begünstigen die Formation gleichgesinnter Gruppen, die gemeinschaftlich großen Widerstand gegen Gedanken entwickeln, die sich stark von ihren eigenen unterscheiden; das kann beim sogenannten ‚Flaming‘ abweichender Stimmen beobachtet kann.