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Karlsruher Gespräche 2012

„Alles in (Un-)Ordnung? Neue Unübersichtlichkeiten in einer globalisierten Welt“

Valentine Umansky

Referent

 

Zygmunt Bauman

 

Valentine Umansky ist Sprecherin der französischen Gruppierung Génération Précaire (französische Bezeichnung für Generation Praktikum). Sie studiert Ausstellungstechnik an der Panthéon Sorbonne als zweiten Master-Studiengang und arbeitet als Kuratorin und Redakteurin von Katalogen zu künstlerischen Ausstellungen. Zuvor erwarb sie einen Master Kulturmanagement sowie Kunst und Sprachen. Neben dem Studium verantwortete sie verschiedene künstlerische Projekte und war an der Organisation und Umsetzung von Festivals beteiligt.

 

Das ZAK bat Ophélie Latil und Valentine Umansky, folgende Fragen zu beantworten:


1. Hat sich unser Sicherheitsbedürfnis vergrößert oder hat sich lediglich unsere Wahrnehmung von Unsicherheit geändert?

Wir würden sagen, dass seit der Präsidentenwahl 2008 in Frankreich aufgrund des Medieninteresses an diesem Thema unsere Wahrnehmung von Unsicherheit zugenommen hat. Generell wird die Fernsehübertragung der Bilder eingesetzt, um die Wahrnehmung der Bevölkerung in Bezug auf solche Themen zu verändern (z. B. „Krawalle“ in London, in den Pariser Vororten, etc.). Die Wahrnehmung von Unsicherheit ist aufgrund der echten Unsicherheit gewachsen (in Bezug auf den Arbeitsplatz, die Wohnung, usw.), die die Menschen spüren und die hat wiederum dazu geführt, dass sich die Politik mehr auf die Sicherheit konzentriert (z. B. Einwanderungsfragen in Frankreich).


2. Inwiefern nehmen Überlagerungen von unterschiedlichen Risiken zu? Ist ein Dominoeffekt erkennbar?

Der Dominoeffekt ist logisch, da es zwischen jedem Gesellschaftsaspekt und zwischen Risiken Zusammenhänge gibt. Unserer Meinung nach ist das ziemlich offensichtlich.


3. Sollte angesichts der aktuellen Krisensituation mehr Entscheidungsautorität an europäische Einrichtungen/Organe verlagert werden?

Im Allgemeinen denken wir, dass mehr Autorität an die europäischen Einrichtungen verschoben werden sollte, wenn man bedenkt, dass sie bei der derzeitigen Krise nur wenig Macht besitzen. Wenn manche Länder schon damit beginnen, die Existenz der Europäischen Union in Frage zu stellen, ist es die einzige Antwort auf die starke Nationalpolitik vieler europäischer Länder. Viele französische Aktivisten waren überrascht, wie wenig Macht Europa bei der Handhabung der Krisen in Griechenland und Spanien hatte, so dass das Vertrauen an der Einrichtung als solche immer geringer wurde. Daher wächst das Gefühl der Unsicherheit (oder das Gefühl, dass Europa bei der Handhabung wirtschaftlicher und politischer Angelegenheiten Schwierigkeiten hat).