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Karlsruher Gespräche 2009

Rechts außen: Rechtsextremismus in Europa heute

Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer

Referent 

 

Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer wurde 1945 geboren und ist Professor für Sozialisation. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungszentrum Paderborn (FEoLL) und Akademischer Rat im Fach Gesellschaftswissenschaften an der dortigen Universität. 1983 ging er an die Universität Bielefeld, wo er bis 1990 als Akademischer Rat an der Fakultät für Erziehungswissenschaft fungierte. Von 1990 bis 1993 war er Projektleiter des Sonderforschungsbereichs Jugendgewalt und bis 1995 außerplanmäßiger Professor für Sozialisation. Seit 1995 arbeitet er an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld, seit 1997 als Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung. Heitmeyer war Leiter des BMBF-Forschungsverbundes Soziale Desintegrationsprozesse und leitet seit 2002 die Langzeitstudie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sowie seit 2005 die internationale Vergleichsstudie „Group-Focused Enmity in Europe“. Von 2003 bis 2005 hatte er die Forschungsprofessur der VolkswagenStiftung inne. Zudem ist er seit 2004 Sprecher eines DFG-Graduiertenkollegs sowie seit 2007 einer der Leiter der internationalen Forschergruppe „Control of Violence“ am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Seine Themenschwerpunkte sind Gewalt, Rechtsextremismus, soziale Desintegration und Fremdenfeindlichkeit sowie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, zu denen er eine Vielzahl an Publikationen verfasst hat. 2001 beispielsweise veröffentlichte er gemeinsam mit Dietmar Loch das Buch „Schattenseiten der Globalisierung. Rechtsradikalismus, Rechtspopulismus und Regionalismus in Westeuropa“. Zusammen mit Reimund Anhut entwickelte Heitmeyer das in den Sozialwissenschaften bekannte Desintegrationstheorem. Demnach führe ein erhöhtes Maß an Desintegration durch gesellschaftliche Institutionen zu einer Steigerung von Konflikten unter gleichzeitiger Abnahme einer Regelungsfähigkeit. Heitmeyer gehört verschiedenen Berufsorganisationen und Gremien an, etwa seit 1995 der Theorie-Sektion der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Er ist geschäftsführender Herausgeber der Reihen „Kultur und Konflikt“ und „Konflikt- und Gewaltforschung“ sowie der Reihe „Integration und Desintegration in modernen Gesellschaften“ und des International Journal of Conflict and Violence.



Das ZAK hat Herrn Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer gebeten, folgende Frage zu beantworten:

Was können Bürgerinnen und Bürger gegen Rechtsextremismus beitragen?
"Rechtsextremismus ist ein politisches Problem, denn es geht um Macht und auch Gewalt zur Veränderung von Gesellschaft. Es ist kein ausschließliches Thema für Politiker, sondern für alle gesellschaftlichen Gruppen. Es sind auch sehr stark andere Gruppen aufgefordert, wozu vor allem die wirtschaftlichen Eliten gehören. Aber wo bleiben sie mit ihrer Stimme? Natürlich spielen Bürgerinnen und Bürger eine oft übersehene, aber immens wichtige Rolle – und zwar für das soziale Klima im Alltag, indem sie sich sofort und an jedem Ort gegen Abwertungen und Diskriminierungen schwacher Gruppen wenden. Dazu bedarf es keinen Heldenmut. Der Rechtsextremismus kann ohne Wahlerfolge leben, aber nicht ohne offene oder klammheimliche Zustimmungen in der Bevölkerung. "