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Über Service Learning

Was ist Service Learning?

Service Learning ist eine projekt- und praxisorientierte Lehr-Lern-Methode, die zuerst in den USA aufkam und sich dort seit den 1980er Jahren als fester Bestandteil der universitären Lehre etabliert hat. Das Konzept geht maßgeblich auf den amerikanischen Pädagogen Jean Dewey zurück, der die Ansicht vertrat, nachhaltiges Lernen entstehe nur durch konkrete Erfahrung in realen Kontexten.

Service Learning ergänzt die Hochschullehre disziplinübergreifend, indem curriculare und außercurriculare Lehrinhalte in der Praxis erprobt und an gesellschaftliche Bedarfe angebunden werden.

Studierenden wird es damit ermöglicht, soziales Engagement mit dem Studium zu verbinden. Sie wenden in lokalen Praxisprojekten ihr Wissen an. Sie erhalten die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung zivilgesellschaftlicher Kontexte und erwerben so für das spätere Berufsleben wichtige Handlungskompetenzen wie das eigenverantwortliche Erarbeiten von Lösungswegen. Am konkreten Beispiel lernen sie, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Als übergreifende Bildungsziele des Service Learning sind das Kennenlernen von anderen Lebenswelten, die Konfrontation mit gesellschaftlichen Fragestellungen, die Reflexion der Bedeutung von ehrenamtlichem Engagement sowie der Integrationsgedanke zu nennen.

Eine wichtige Stellung nimmt in dem Konzept die Reflexion der Erfahrung ein, die in begleitenden Seminaren von Lehrenden moderiert und strukturiert wird. Reflexion ist das Bindeglied zwischen der praktischen Erfahrung, „Service“, und dem „Learning“ als dem Verstehen und Internalisieren des Gelernten. Erst durch Reflexion, also das nachdenkende Verarbeiten der eigenen Handlungserfahrung, wird der Prozess des Handelns zu einer Bildungserfahrung (Sliwka 2009:85).
 

Mehrwert für die Universität

Hochschulen können einen wertvollen Beitrag für die Zivilgesellschaft leisten. Sie schaffen Grundlagen für die Studierenden als zukünftige Arbeitnehmer, Führungskräfte und Meinungsmacher. Sie stärken und fördern die individuelle Urteilskraft, das Verantwortungsbewusstsein, die Führungsbereitschaft und Sozialkompetenz. Service Learning ist ein didaktisches Lehr-/Lernformat, das Kompetenzerwerb mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung versteht. Der Dialog zwischen Hochschule und Gesellschaft wird im Sinne einer Campus Community Partnership zum gegenseitigen Nutzen intensiviert.

Service Learning unterstützt die Entwicklung der Zivilgesellschaft und die Bildung von Sozialkapital. Der Begriff Sozialkapital beschreibt hier die Fähigkeit einer Gesellschaft, ihren sozialen Zusammenhalt zu organisieren und aufrecht zu erhalten
 

Mehrwert für die Studierenden

Studierende, die sich im Rahmen von Service Learning engagieren, entwickeln ihre personalen Kompetenzen (wie Empathie, Sensibilität, Toleranz, Verantwortung, Ausdauer, Belastbarkeit, Flexibilität und Eigeninitiative) sowie ihre Sozialkompetenzen (z.B. Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Verhaltenssicherheit, Team- und Konfliktfähigkeit). Die Studierenden üben sich durch den Einblick in neue Handlungsfelder im Praxistransfer und Perspektivwechsel. Das Lernen wird kombiniert mit der Übernahme von Verantwortung.

In der Reflexion ihrer individuellen Erfahrung lernen Studierende, diese in größere Zusammenhänge einzubinden. Das reflexive Denken fördert damit die Entwicklung metakognitiver Kompetenzen, die für selbstgesteuertes Lernen und Problemlösen wichtig sind (Sliwka 2009:85).

Service Learning erhöht die Motivation und Leistungsbereitschaft der Teilnehmenden, wodurch das persönliche und berufliche Profil geschärft werden kann. Die durch Service Learning erworbenen Zusatzqualifikationen können auch im Lebenslauf und in der Berufspraxis positiv wirken.
 

Verschiedene Ansätze von Service Learning

Mittlerweile haben sich zwei verschiedene Ausgestaltungsformen von Service-Learning-Projekten an Hochschulen herausgebildet: die fachspezifische und die fachübergreifende Variante. „Steht die Förderung der Persönlichkeit und der Soft Skills der Studierenden im Vordergrund, liegt ein fächerübergreifender Ansatz auf der Hand [...] Geht es darum, in einem Studienfach die Perspektive auch mit Blick auf die späteren beruflichen Anforderungen zu erweitern, empfiehlt sich ein fachspezifischer Ansatz“ („Do it! Learn it! Spread it! Service Learning für Studierende“, Praxisleitfaden der Agentur mehrwert, 2009).

 

  1. Der fachspezifische Service-Learning-Ansatz

    Beim fachspezifischen Service Learning wenden Studierende in ihrem Fachstudium erworbene Kenntnisse in der Praxis an. BWL-Studierende entwerfen z.B. einen Marketingplan für eine Jugendhilfeeinrichtung oder Architekturstudierende entwerfen einen Umbauplan für eine Einrichtung für Demenzkranke.

    Nach Kreikebaum (2009) überprüfen fachspezifische Service-Learning-Seminare vor allem die Praxistauglichkeit der Forschung und Lehre an den Hochschulen. Denn durch die Anwendung der an der Universität vermittelten Methoden auf real existierende, praktische Sachverhalte und Problemlagen wird sehr schnell deutlich, welche Diskrepanz es zwischen Theorie und Praxis zu überwinden gilt und dass theoretische Modelle eben immer nur vereinfachte Abbilder der Realität darstellen, die hinsichtlich der Komplexität der Wirklichkeit in ihrer Anwendbarkeit an Grenzen stoßen. Dies ist eine enorm bedeutsame Erfahrung für Studierende, um sie einerseits vor dem „Praxisschock“ im späteren Berufsleben zu bewahren und um andererseits das gelernte Wissen mit Leben zu füllen und besser zu veranschaulichen und zu verinnerlichen. („Do it! Learn it! Spread it! Service Learning für Studierende“, Praxisleitfaden der Agentur mehrwert, 2009).

  2. Der fachübergreifende Service-Learning-Ansatz

    Bei fachübergreifenden Ansätzen muss nicht zwingend ein direkter fachlicher Bezug zwischen Studieninhalt und ehrenamtlichem Engagement bestehen. Beim fachübergreifenden Ansatz geht es vor allem darum, dass die Studierenden Erfahrungen in einer ihnen fremden Lebenswelt machen und diese Erfahrungen ihnen einen grundlegenden Wertewandel und Verhaltensänderungen ermöglichen.

 

Quellen und weiterführende Literatur:

Gabriele Bartsch: Service Learning im Kontext von Zivilgesellschaft, in: Karsten Altenschmidt, Jörg Miller, Wolfgang Stark (Hrsg.): Raus aus dem Elfenbeinturm? Entwicklungen in Service Learning und bürgerschaftlichem Engagement an deutschen Hochschulen. Weinheim: Beltz 2009.

Anne Sliwka: Reflexion: das Bindeglied zwischen Service und Lernen, in: Karsten Altenschmidt, Jörg Miller, Wolfgang Stark (Hrsg.): Raus aus dem Elfenbeinturm? Entwicklungen in Service Learning und bürgerschaftlichem Engagement an deutschen Hochschulen. Weinheim: Beltz 2009.

Do it! Learn it! Spread it! Service Learning für Studierende, Praxisleitfaden von mehrwert: Agentur für Soziales Lernen gGmbH, November 2009.