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Karlsruher Gespräche 2019

Jugend für Europa! – aktives Engagement und Verantwortung

 

Tobias Uelpenich

Referent

 
Tobias Uelpenich, geboren 1995 in Bergisch Gladbach, absolvierte nach seinem Abitur im Jahr 2014 ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Grundschule. Im Jahr 2015 begann er sein Studium der Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln, das er im Frühjahr 2019 abschließen wird. Neben seinem Studium ist er seit Jahren als Trainer und Funktionär im Tischtennissport tätig und widmet sich dort im Besonderen der Jugendförderung. Bereits seit seiner Schulzeit verfolgt er das aktuelle politische Geschehen höchst intensiv. Dieses politische Interesse setzte er 2018 dann auch in die Praxis um. Gemeinsam mit dreißig Mitstreiterinnen und Mitstreitern gründete er am 24. Oktober 2018 die pro-europäische Partei Young European Spirit (kurz: !YES) in Düsseldorf. Die Idee zur Gründung dieser Partei entstand bei einem Blick auf die politische Landkarte Europas unter Freunden. Sie stellten fest: Europa steckt in einer Krise, weshalb sie eine Idee für die inhaltliche Ausgestaltung einer pro-europäischen Partei, als Gegengewicht zu Populismus und anti-europäischen Bewegungen, ausarbeiteten. Es folgte eine Übergangszeit als Initiative, die bereits den Namen !YES trug. Hier wurde der Bedarf und die Zustimmung zu ihrer Idee und ihren Plänen überprüft. Da das Feedback äußerst positiv ausfiel, wurde die Parteigründung sowie die Ausarbeitung eines ersten Parteiprogramms vorangetrieben. Der Beschluss des Grundsatzprogramms ging mit der Parteigründung am 24. Oktober 2018 einher. Im Dezember 2018 stellte !YES seine Europawahlliste auf und ist seither mit der Einwerbung von Unterstützerunterschriften auf dem Weg, die letzte Hürde der Zulassung zur Europawahl 2019 zu nehmen.

 

Statements

1. Welche Bereiche des Zusammenlebens (Wirtschaft, Politik, Gesellschaft) sind Ihrer Meinung nach am stärksten von einem Mangel an Verantwortungsübernahme betroffen?

Es lässt sich eine allgemein fehlende Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung sowie fehlender Gestaltungswille feststellen, was unmittelbare Auswirkungen auf die verschiedenen Bereiche des Zusammenlebens hat. Die Verflechtung der Teilbereiche macht es jedoch schwer, valide einzuschätzen, welcher Bereich am stärksten betroffen ist. Dieselskandal, Spendenaffäre, mangelnde Bürgerbeteiligung: Der Mangel an Verantwortungsübernahme ist omnipräsent – ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das nur ausgemerzt werden kann, indem Menschen vorangehen, die Verantwortung tragen wollen und können. Immer mit dem Hinweis: Nur wer Verantwortung übernimmt, kann gestalten!

 

2. Sehen Sie einen anhaltenden Trend dahingehend, dass demokratische Mehrheiten immer öfter unsere Werte einer toleranten Gesellschaft abwählen? Wenn ja, wie ist damit umzugehen?

Ich denke nicht, dass es einen Trend zur Abwahl der Werte einer toleranten Gesellschaft gibt. Zwar zeigt sich in vielen Ländern der Trend zu stärkeren politischen Rändern, in den meisten Ländern hauptsächlich zum rechten Rand, jedoch heißt dies keineswegs, dass die Menschen die Werte einer toleranten Gesellschaft abwählen. Die zu beobachtenden Tendenzen deuten vielmehr darauf hin, dass die etablierten Parteien nicht in der Lage sind, die Menschen zufriedenzustellen und ihnen ihre Ängste zu nehmen. Daraus folgt aber keineswegs die Konklusion, dass die Gesellschaft an sich intoleranter wird. Die vorhandenen Tendenzen sind eher als Weckruf der Menschen an die Parteien der Mitte zu sehen, die sich in Zeiten von Unsicherheit und neuartigen Krisen klare Sprache, klare Aussagen und Profil wünschen. Ungeachtet des Inhalts, findet man dies bei Parteien der politischen Ränder. Sofern die Parteien der Mitte in der Lage sind, den Wunsch nach klaren Aussagen und Profilschärfe wieder zu erfüllen, werden die Ränder wieder schwächer werden – ohne die Werte einer toleranten Gesellschaft in Frage stellen zu müssen.

 

3. Welche Umstände stehen Ihrer Ansicht nach der Übernahme von Verantwortung entgegen? Ist der Hauptgrund hierfür in einem Verlust von sicher geglaubten Werten, Normen und Regelungen zu suchen?

Der Übernahme von Verantwortung steht weniger der Verlust von Werten im Wege als die Priorisierung der Verantwortungsübernahme im Vergleich zu anderen Bedürfnissen. Verantwortung für die Gesellschaft kann erst übernommen werden, wenn die Menschen Verantwortung für sich und ihre Familien übernommen haben. In einer immer schnelllebigeren Zeit, die durch ständige Erreichbarkeit und Verfügbarkeit gekennzeichnet ist, genießen andere Themen größere Aufmerksamkeit. Dazu gehört unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, die aufgrund immer größerer Möglichkeiten und Handlungsspielräume zunehmend heterogener zu werden scheinen. Auch der Lebensstandard im Allgemeinen ist ein Faktor für die Übernahme von Verantwortung. Menschen, die scheinbar von der Gesellschaft vergessen wurden, haben häufig nicht die Mittel und den Glauben daran, Verantwortung übernehmen und etwas verändern zu können. Daher sind es oft nur zwei Gruppen von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen: Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse schon befriedigt haben und sich der Tatsache bewusst sind, dass Verantwortung übernommen werden muss und bereit sind dies auch zu tun sowie Menschen, die mit dem Status quo derart unzufrieden sind, dass der Wunsch nach Veränderung und Verantwortungsübernahme zum eigenen Hauptbedürfnis wird. Diese Aspekte sind für mich wesentlich präsenter als ein möglicher Werte- und Normenverlust.

 

4. Wo fängt Ihrer Meinung nach die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber den Auswirkungen ihrer Forschung an und wo hört sie auf (z.B. ‚Genmanipulation an Embryonen in China‘ oder ‚Forschung an Künstlicher Intelligenz‘)?

Die Wissenschaft hat eine zentrale Bedeutung für unsere Gesellschaft. Sie generiert neue Erkenntnisse, Ideen und Technologien und ist somit ein Motor des Fortschritts. Eine ähnliche Bedeutung sollte der Wissenschaft auch im Hinblick auf die Übernahme von Verantwortung zukommen. In einer verantwortungsvollen Gesellschaft muss die Wissenschaft mit gutem Beispiel vorangehen und den Aspekt der Verantwortung beziehungsweise der Auswirkungen der Forschung auf die Gesellschaft stets beachten. Hierbei den Spagat zwischen der Generierung neuer Erkenntnisse und der Einhaltung moralischer Grundsätze zu schaffen, ist schwierig. Denn was Forschung darf und was sie nicht dürfen soll, ist keine eindeutig zu beantwortende Frage. Deshalb ist der Diskurs über ethische Grenzen und verantwortungsvolles Forschen von zentraler Bedeutung. Daher ist es aus meiner Sicht nicht zu beantworten, wo die Verantwortung für die Wissenschaft aufhören soll. Denn letztlich sollte die Wissenschaft für ihre Forschung auch die Verantwortung übernehmen.