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Abstracts der Referenten

Prof. Dr. Dietmar Meyer

 

Wirtschaftskrise in Ungarn

Meyer Prof. Dietmar Meyer
Die gegenwärtige Wirtschaftskrise in Ungarn ist nicht so sehr eine Folge der seit dem Ende des Jahres 2008 herrschenden internationalen Finanzkrise, sondern vielmehr ein weiterer Abschnitt des Transformationsprozesses. Die außerordentlich starke Verschuldung der ungarischen Wirtschaft gegen Ende der 1980er Jahre konnte in den ersten Jahren des Übergangs zur Marktwirtschaft nicht abgebaut werden, die Kennziffern verbesserten sich erst in den Jahren zwischen 1996 und 2002, allerdings war danach ein – in erster Linie aufgrund von politischen Entscheidungen hervorgerufener – erneuter rasanter Anstieg zu verzeichnen. Das engte den Spielraum der wirtschaftspolitischen Führung beim Ausbruch der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise ein. Ein weiterer Grund für die lang anhaltende Transformationskrise ist im Unternehmerverhalten zu sehen, das zu ineffizienter Ressourcenverwendung und damit zu langsamerem Wachstum führt.

 

 

Prof. Dr. Martina Eckardt

 

Kleine und mittlere Unternehmen in der Globalisierung –
ein Vergleich zwischen Baden-Württemberg und Ungarn

Eckhardt Prof. Dr. Martina Eckardt
Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) haben für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes eine herausragende Bedeutung. Dies gilt sowohl für ihren Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen als auch für ihre Rolle als Träger von Innovationen. In traditionell exportorientierten Volkswirtschaften stellt sich die Frage nach den Konsequenzen der Globalisierung auch für KMUs. Die zunehmende internationale Wirtschaftsverflechtung eröffnet KMUs Chancen, bringt aber auch neue Risiken mit sich. Anhand zweier empirischer Untersuchungen für Ungarn und Baden-Württemberg wird nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Erfolgsfaktoren zur Bewältigung der durch die Globalisierung gegebenen neuen Herausforderungen gefragt. Daneben werden die Engpassfaktoren herausgearbeitet, die besonders die KMUs betreffen. Ziel ist es, Ansatzpunkte für geeignete wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Förderung von KMUs in einer globalisierten Wirtschaft zu identifizieren.

 

 

Dr. Noémi Alexa

 

Schaffung optimaler Transparenzbedingungen in der ungarischen Wirtschaft

Noemi Alexa Dr. Noémi Alexa
Laut des jährlich veröffentlichten Korruptionswahrnehmungsindexes von Transparency International ist Ungarn ein mittelmäßig korruptes Land und hat 2008 und 2009 auf einer Skala von 0 bis 10 5,1 Punkte erreicht. Obwohl unter den postsozialistischen Ländern Ungarn nur von Estland und Slowenien in der Rangordnung überholt wird, ist es eindeutig, dass der Trend die anderen begünstigt. Während in den letzten 5 Jahren die Punktezahl für Ungarn immer um die 5 war, verbesserte sich der Durchschnitt der Region langsam, aber sicher. Sollte man nicht dringend Maßnahmen gegen die Korruption ergreifen, ist es gut möglich, dass wir unsere günstige Position in der Region verlieren werden. Die gleiche Tendenz lässt sich von den Wirtschaftsindikatoren ablesen: War Ungarn noch zur Jahrtausendwende die leitende Wirtschaft der Region, ähneln seine jetzigen Wettbewerbsfähigkeits- und Wirtschaftswachstumsindikatoren eher denen der postsozialistischen Ländern außerhalb der EU.
Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen der Verbreitung der Korruption und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit, sodass, wollten wir Ungarn auf einen nachhaltigen Wachstumskurs bringen, effektive Maßnahmen gegen die Korruption unerlässlich sein werden. Während sämtliche politischen Parteien die Bedeutung der Bekämpfung der Korruption betonen, sind die aus der Verflechtung der politischen und wirtschaftlichen Elite resultierenden korrupten Transaktionen für die Gesellschaft und den Wirtschaftssektor am schädlichsten. Die entstandene Situation kann durch historische, ethische und regulatorische Ursachen erklärt werden. Da die Änderung der Letzteren innerhalb von kurzer Zeit bewerkstelligt werden kann, behandelt der Vortrag die Systeme, mit deren Änderung innerhalb kürzester Zeit Fortschritte erzielt werden könnten.
In Ungarn ist die Finanzierung der politischen Parteien und Kampagnen undurchsichtig. Es ist nicht oder nur teilweise öffentlich, welche geschäftlichen und individuellen Interessen hinter den jeweiligen Parteien verborgen sind beziehungsweise ist nicht bekannt, aus welchen Quellen die Parteien ihre Wahlkampagnen finanzieren, deren finanzieller Rahmen die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzen eindeutig überschreitet. Die unübersichtliche und nicht einhaltbare Regulierung der Partei- und Kampagnenfinanzen zwingt die Politiker und Geschäftsleute seit 1997 Tricks anzuwenden. Eine herkömmliche Methode ist, dass die Gewinner einen Teil der staatlichen Ausschreibungen über mehrere Mittelsmänner an die Parteien zurückzahlen. Dieses System wird begünstigt durch das bereits aus mehr als 400 Paragrafen bestehende Gesetz der öffentlichen Beschaffungen, das jährlich mehrmals geändert wird sowie durch das wenig effektive Institutionssystem, das es überwachen sollte. Um der Korruption in Ungarn Einhalt zu gebieten, bedarf es vor allem der Änderung dieser zwei Rechtsvorschriften: des Gesetzes der Finanzierung der politischen Parteien und Kampagnen und des Gesetzes der öffentlichen Beschaffungen. Die fachliche Vorbereitung beider Gesetze wurde bereits vollzogen und wir sind zuversichtlich, dass im neuen Parlament auch das politische Engagement vorhanden sein wird, um die neuen Regelungen anzunehmen.
Neben der Änderung der Rechtsvorschriften ist die Erweiterung der Kapazitäten der Strafverfolgungsorgane, eine bessere Transparenz des Gerichtswesens, die Reform der Kommunen sowie die Einhaltung der Lobbyregeln vonnöten. Und da für die Korruption immer zwei Parteien benötigt werden, ist die Verantwortung des Geschäftssektors auch enorm: es sollten so bald wie möglich effektive betriebliche Antikorruptionsmittel eingeführt werden. In einer korrupten Wirtschaftsumgebung könnten diese kurzfristig zu Wettbewerbsnachteilen werden, langfristig jedoch bringen sie Ersparnisse und Stabilität.
Das Thema der Korruption steht in Ungarn im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens, es werden immer mehr Korruptionsfälle bekannt, sodass zu Recht gehofft werden kann, dass nach den Skandalen langsam die Einführung der Lösungen folgen wird.

 

 

Prof. Dr. Attila Pók

 

Sprachgebrauch, Gedächtnis, Erinnerung: Der Fall der ungarischen Revolution von 1956

Attila Pok Prof. Dr. Attila Pók
Prof. Pók widmet sich in seinem Vortrag der Analyse der Sprachwendungen und Narrativen, mit denen die Ereignisse von 1956 in der ungarischen Politik und historischen Literatur von 1957 bis 2006 beschrieben wurden. Anschließend beschäftigt sich der Vortrag mit zwei Aspekten der Analyse der ungarischen Erinnerungskultur nach 1956. Zum einen wird das Spannungsverhältnis von Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Erinnerung zwischen 1956 und 2006 analysiert, zum anderen geht es darum, inwieweit das linke politische Denken die ungarische nationale Identität des letzten halben Jahrhunderts geprägt hat. Es werden vier Analyseebenen unterschieden: Wissenschaft, politische Rhetorik, Bildung und alltägliche Erinnerung.

 

 

Dr. Andás Tóth

 

Gestern ist heute? Erscheinungsformen des Rechtsextremismus, Hintergründe und Konsequenzen

 
Der Vortrag behandelte die Ursachen und Hintergründe des Wiedererstarken rechtsextremer Ideologien und der Etablierung rechtsextremer Parteien in Ungarn.

 

 

Dr. Kállai Ernő

 

Die Situation der Roma-Gemeinschaften in Ungarn

Kallai Erno Dr. Kállai Ernó
Der Vortrag behandelte die gesellschaftliche Situation der unterschiedlichen Roma-Gemeinschaften in Ungarn, ihre Lage auf dem Arbeitsmarkt und die sozialen und politischen Integrationsmaßnahmen seitens des Republik Ungarn.

 

 

 

 

 

 

Katalin R. Forray

 

Romungri, Roma und Beaschi in Ungarn: Möglichkeiten der Bewahrung ethnischer Kultur

Forray Katalin R. Forray
In Europa ist die Lage der Roma von schlechten Wohnverhältnissen, von einer nicht oder kaum vorhandenen Gesundheitsversorgung, niedrigem Bildungsstand, hoher Arbeitslosigkeit und der mit diesen Verhältnissen zusammenhängenden Stigmatisierung und Marginalisierung bzw. Segregation geprägt. In Ungarn leben unterschiedliche Roma-Gruppen und werden dementsprechend mit unterschiedlichen Problemstellungen konfrontiert. Besonders kritisch ist die Situation der Roma-Gruppen im Bildungsbereich, der nach wie vor für sie sehr schwer zugänglich ist. Häufig werden Roma-Kinder in Schulen bzw. Klassen für körperlich und geistig Behinderte oder in spezielle Schulen mit schlechten Qualitätsstandards eingeschult. Dennoch gibt es gute Beispiele für sog. Sonderschulen für Roma-Kinder zum Beispiel das Gandhi-Gymnasium in Pécs, die erfolgreich in der Förderung ihrer Schüler sind. Zudem wird den Schülern die Möglichkeit geboten, ihre Sprache zu erlernen sowie ihre Kultur kennenzulernen. Insgesamt bleibt die Sicherstellung des Zugangs zum Bildungssystem für die Roma-Angehörigen ein wichtiger Faktor in der gesellschaftlichen Integration der Minderheit.

 

 

Prof. Dr. Attila Ágh

 

Ungarn in der Europäischen Union

Agh, Attila Ágh, Attila
Der Vortrag behandelt drei wichtige Aspekte des Themas Ungarn in der Europäischen Union. Der erste Punkt betrifft die ungarische EU-Politik. Einer der wichtigsten Leitsprüche des Systemwechsels von 1989 lautete „Rückkehr nach Europa“. Auch weiterhin nimmt Ungarn sehr aktiv an der Arbeit der EU teil und ist in vielen europäischen Institutionen präsent. Ein weiterer Aspekt thematisiert die EU-Politikfelder und ungarische Kompetenzen. Im Vortrag werden die EU-Politikfelder von der wirtschaftlichen Integration bis zur Innen- und Justizpolitik behandelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse der Außenpolitik und der Lissabon-Strategie. Diese werden vor allem im Kontext der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft beleuchtet. Anschließend wird das Verhältnis von Ungarn zu EU Gegenstand des Vortrages sein. Das Verhältnis der ungarischen Bürger zur EU kann im Kontext der kognitiven Dissonanz charakterisiert werden: Eine geringe Befürwortung der EU-Mitgliedschaft ist in Ungarn paradoxerweise mit einer starken Befürwortung der europäischen Integration und mit großer Wertschätzung für die EU-Institutionen verknüpft.

 

 

Dr. Mária Mayer-Szilágyi

 

Das Theater in Ungarn – zwischen Nischenghettos und Kunstgewerbe

 
Das Festival für Zeitgenössische Dramatik Budapest wurde 1997 von Mária Mayer-Szilágyi initiiert und gegründet. Es ist ein internationales Festival mit einem Theaterprogramm aus dem In- und Ausland sowie einem Begleitprogramm mit szenischen Lesungen, wissenschaftlichen Konferenzen, Workshops und einem theaterpädagogischen Projekt. Die Veranstalter sind bestrebt das ungarische Theater von heute jeweils im internationalen und wissenschaftlichen Kontext zu zeigen und den TeilnehmerInnen ein Forum für Erfahrungsaustausch und Diskussionen zu bieten. Das Festival präsentiert die spannendsten und innovativsten (Ur)Aufführungen von neuen ungarischen Theaterstücken und in letzter Zeit zunehmend Devised Theatre oder postdramatische Produktionen des vorangegangenen Jahres mit englischen Untertiteln oder englischer Synchronübersetzung. Zielpublikum sind neben den Budapester TheaterliebhaberInnen und Theaterschaffenden die TeilnehmerInnen des Visitors' Programms des Festivals, sowie die in Budapest lebenden und arbeitenden AusländerInnen und Touristen. Das Festival lädt jedes Jahr mehrere Theatergastspiele aus dem Ausland ein. Dabei wird einem Land, dessen zeitgenössische Theaterlandschaft in Ungarn weniger bekannt ist, besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Im Gastspiel-Programm der ausländischen Produktionen finden sich Arbeiten von angehenden Theaterschaffenden bis hin zu bekannten und bedeutenden Repräsentanten und Persönlichkeiten der internationalen Theaterszene. Das Festival für Zeitgenössische Dramatik Budapest hat zu Beginn seiner Laufbahn einige Autoren und Dramatiker bekannt gemacht, u.a. Marius von Mayenburg, Roland Schimmelpfennig, David Gieselmann, Dea Loher, Sarah Kane, Mark Ravenhill, Hristo Boytschev, Wassili Sigarjev, Ivan Viripaev, Petr Zelenka und Youriy Dachev.

 

 

Alexander Schikowski

 

Zur Rolle der sozialen und politischen Kunst im öffentlichen Raum in Ungarn

Alexander Schikowski Alexander Schikowski
In Ungarn steht das Recht auf freie Meinungsäußerung über dem Recht an der Unantastbarkeit der Würde des Menschen. Ein freies Feld für radikale künstlerische Aussagen!Neben der allerorts herrschenden Vehemenz zu marktorientierten Strategien in der Kunst, zwingt in Ungarn auch die schlechtere finanzielle Lage die Künstler zum Kuschen. Die öffentliche Kunst (Skulpturen im öffentlichen Raum und die Förderung von Institutionen) wird in Ungarn seit jeher politisch gesteuert und “juriert”. Die Philosophin Àgnes Heller spricht davon, dass „die Kulturpolitik der Demokratie fremd” sei, der Schriftsteller Péter Nádas hält die ungarische Sprache für unfähig, zu reflektieren, weswegen es auch keine ungarische Philosophie gäbe. Der Politologe Ervin Csizmadia spricht den Ungarn gar eine soziale Intelligenz ab und laut dem Schriftsteller Imre Kertész haben in Ungarn „Rechtsextreme und Antisemiten das Sagen. Die alten Laster der Ungarn, ihre Verlogenheit und ihr Hang zum Verdrängen, gedeihen wie eh und je.”„Mélabú” - eine ungarische Form der Melancholie, gepaart mit Passivität und einem von vornherein Beleidigtsein - und „Nemtörődöm” - das in sich geschlossene, alles auf sich beziehende Subjekt verharrt in Gleichgültigkeit - tun das Restliche.Also für die Kunst eine Wüste, in der wenig wachsen kann und sich freigeistiges Sinnieren schwer tut. Aber es gibt sie doch, die autonome Kunst! So wird neben der starken politischen Vereinnahmung des öffentlichen Raumes (öffentliche Kunstwerke dienen entweder der Kranzniederlegung unterschiedlicher politischer Couleurs oder sind in Form gebrachte Inhaltslosigkeiten), die Rede sein von dem Nationalvogel Turul mit einer Schaufensterpuppenhand im Schnabel und Schweinehaxen in den Bronzeschuhen am Donauufer, dem Mahnmal der dort im Jahre 1945 Erschossenen; von der Lesbenhochzeit am Batthyány tér; der Säuberung des Heldenplatzes nach einer Weihe der paramilitärischen „Ungarischen Garde”; dem „cityrafting” der forschungsgruppe-f ebendort auf dem Hösök tere; von Mara Olah, der „ersten ungarischen Zigeunerin auf der Venediger Biennale” und von Dr.Máriás Béla´s Gemälde „Das Kind József Torgyán musiziert für einen Esel”. Als konkreter Fall wird die sich im Prozess befindliche Unternehmung geschildert, in Ungarn ein Denkmal für die ermordeten Roma aufzustellen. Das Denkmal „Róbert s Robika” wurde von Alexander Schikowski anlässlich der 20. Europäischen Kulturtagen in Karlsruhe angefertigt.