Berufsbiografische Gestaltungskompetenz erforschen

  • Typ: Seminar (S)
  • Lehrstuhl: KIT-Fakultäten - KIT-Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften
  • Semester: WS 23/24
  • Dozent: Dr. Daniela Reimann
  • SWS: 2
  • LVNr.: 5000019
  • Hinweis: Präsenz/Online gemischt
Inhalt

Eine „Laufbahn“ einzuschlagen, die zu einem Beruf führt, der ein Leben lang in einer vertrauten Umgebung mit bekanntem sozialem Umfeld ausgeführt wird, wird zunehmend durch projektbezogenes Arbeiten in zeitlich befristeten Kontexten mit wechselnden Teamkonstellationen und Arbeitsorten abgelöst. Auszubildende und Arbeitnehmende sind Opfer der Konjunktur und müssen sich regelmäßig selbst durch Fort- und Weiterbildung auf den aktuellsten Kenntnisstand bringen, um konkurrenzfähig zu sein. Ob diese Ausbildungsbemühungen Früchte tragen, zu einem besseren Einkommen oder einem sicheren Auskommen führen, liegt dabei nicht in der Hand der Auszubildenden und Arbeitnehmer*innen. Im Umkehrschluss lässt sich aber feststellen, dass ganz ohne Aus- und Weiterbildungsanstrengungen die Chancen deutlich sinken, überhaupt erwerbstätig zu bleiben. Zunehmend wird der Begriff der berufsbiografischen Gestaltungskompetenz in der Berufsbildungsforschung ins Spiel gebracht und als Bereitschaft flexibler Arbeitnehmer*innen verstanden und als Maßnahmenpaket zur Bewältigung arbeitsmarktinterner Übergangssituationen und Diskontinuitäten ins Spiel gebracht und im Kontext der Forderung nach lebenslangen Lernens als erforderliche Fähigkeit eines Individuums in der berufspädagogischen Diskussion vermittelt.

Inhalte:

Nach der wiss. Auseinandersetzung mit dem Begriff der Berufsbiografischen Gestaltungskompetenz untersuchen die Studierenden eine reale Berufs-/Erwerbsbiografie im Rahmen eines eigenen Projektvorhabens als Semesteraufgabe: Dazu identifizieren sie eine Person und untersuchen deren berufliche Biografie. Sie erarbeiten dabei in Arbeitsgruppen anhand eigener Forschungsfragen: Wie erfolgte die Berufsfindung und warum wurde eine Berufs- oder Erwerbswahl getroffen und von welchen (falschen) Vorstellungen war die Berufswahl geprägt, falls überhaupt eine Wahl bestand. Warum wurden welche Qualifikationswege eingeschlagen, berufliche Entscheidungen getroffen oder unterlassen? Nach dem Motto: „Bio muss erst grafiert werden“ (Pazzini) werden Vorbereitungen für ein Interview getroffen, um eine Berufsbiografie zu erfassen, dokumentarisch sichtbar zu machen, wissenschaftlich auszuwerten und zu präsentieren.

Lernziele

  • Die Stud. können das berufspädagogische Konzept der Berufsbiografischen Gestaltungskompetenz differenziert reflektieren
  • Die Studierenden können die Untersuchung einer Berufs-/Erwerbsbiografie durchführen:
  • Entwicklung einer Forschungsfrage
  • Planung, Durchführung und Auswertung eines qualitativen Interviews
  • Entwicklung eines Interviewleitfadens
  • Präsentation und Diskussion der Ergebnisse
Literaturhinweise

s. ILIAS

Ausgewählte Literatur

Frosch, U. (2010): Bastelbiographie, Patchwork-Identität und Co. – Atypische Erwerbsbiographien aus gegenwärtiger Forschungsperspektive. In: bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, Ausgabe 18. Online: http://www.bwpat.de/ausgabe18/frosch_bwpat18.pdf
(22.06.2014).

IAB Kurzbericht (2007): Berufswechsel in Deutschland. Wenn der Schuster nicht bei seinem
Leisten bleibt ... Ausgabe Nr. 1, 19.01.2007. Online Text: http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb0107.pdf (13.09.2014).

Kaufhold, M. (2004): Berufsbiografische Gestaltungskompetenz und Überlegungen zu deren
Messbarkeit. In: REPORT (27) 4/2004. Bielefeld, 57–70.

Kaufhold, M. (2009): Berufsbiographische Gestaltungskompetenz. In: Bolder, A./Dobischat, R. (Hrsg.): Eigen-Sinn und Widerstand. Kritische Beiträge zum Kompetenzentwicklungsdiskurs. Wiesbaden, 220–228.

Munz, C. (2005): Berufsbiografie selbst gestalten. Wie sich Kompetenzen für die Berufslauf-
bahn entwickeln lassen. Bielefeld

Sennett: R (1999): Der flexible Mensch. Frankfurt a.M.

 

Organisatorisches

 Freitags, 9:45-11:15, Westhochschule, Hertzstr.16, Geb. 06.42, R. 002