Home | English | Impressum | Datenschutz | Sitemap | KIT
ZAK Logo

Karlsruher Gespräche 2013

Die ‚Zwischengesellschaft‘: Tradition und Moderne im Widerspruch

Dr. Anne Françoise Weber

Referentin

Weber

Dr. Anne Françoise Weber arbeitet zurzeit als Journalistin für Deutschlandradio in Kairo. Die Absolventin der Berliner Journalisten-Schule war u. a. für Radio France Internationale, den Evangelischen Pressedienst und die Friedrich-Ebert-Stiftung tätig. Sie studierte in Berlin, Beirut, Paris und Marburg Sozialwissenschaften, Islamwissenschaften und Evangelische Theologie und promovierte über muslimisch-christliche Beziehungen im Libanon. Ausgewählte Veröffentlichungen von Weber sind The Itineraries of World Religions towards Democracy. A Conference Report (2009), The Middle East in the Media. Conflicts, Censorship and Public Opinion (2009) und Staatsfeminismus und autonome Frauenbewegung in Tunesien (2001).

Das ZAK bat Dr. Anne Françoise Weber folgende Fragen zu beantworten:

1.    Bewahrung im Wandel: Was heißt dies aus Ihrer Sicht vor dem Hintergrund von Prozessen der Globalisierung und Glokalisierung?

Es scheint ein menschliches Bedürfnis zu sein, sich in Traditionen zu verankern, selbst wenn diese oft jünger und ‚fremder‘ sind als angenommen. Der Import saudi-arabischer Schleierformen nach Ägypten aufgrund von Arbeitsmigration ist ein Beispiel dafür, wie Globalisierung und Glokalisierung einen Wandel herbeiführen, der von vielen Menschen als Bewahrung alter Traditionen wahrgenommen wird. Auch das Hausfrauenideal in Deutschland ist eine Tradition, die sich erst im 19. Jahrhundert wirklich verbreitete.

2.    Was führt eine Gesellschaft angesichts wachsender Orientierungslosigkeit im Zeitalter der Globalisierung zusammen und was treibt sie auseinander?

Zusammenführen könnten gemeinsame Werte wie Freiheit und Solidarität. Auseinander treibt oft der Streit um die richtigen Werte und die Behauptung, Menschen aus anderen Gesellschaftsgruppen hätten grundsätzlich andere Werte.
 
3.    Unsere Gesellschaft steht zwischen tradierten Wertvorstellungen und lokalen Alltagsroutinen einerseits und sich schnell wandelnden Einstellungen und Verhaltensweisen andererseits. Welche Rolle spielen Frauen in diesen zivilgesellschaftlichen Veränderungsprozessen?

Wo Frauen als Hüterinnen der Tradition gelten, sind ihre Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Wo Frauen mehr Gleichberechtigung und eine andere Aufteilung der Familienarbeit einfordern, stellen sie tradierte Rollenvorstellungen infrage.