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Europäische Kulturtage Karlsruhe 2018

Prof. Dr. Ilse Lenz

Referentin

 

Curriculum Vitae

Prof. Dr. Ilse Lenz studierte in den USA, in Japan und an der Universität München. 1983 promovierte sie an der FU Berlin mit einer Dissertation zur Frauenarbeit in der japanischen Industrialisierung aus entwicklungssoziologischer Sicht. In ihrer Habilitation 1989 an der Universität Münster untersuchte sie das Geschlechterverhältnis auf dem japanischen Arbeitsmarkt und die Einflüsse der Computerisierung. Beide Forschungen erfolgten auf Grundlage von Experten-Interviews und Archivarbeit auf Japanisch. Ilse Lenz Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen Arbeitsmarkt und Geschlecht in Japan und Deutschland, japanische und deutsche Frauenbewegung, neue integrative Ansätze in der Sozialstrukturforschung, interkulturelle qualitative Forschung sowie Globalisierung und sozialer Wandel. Von 1992 bis zu ihrer Emeritierung 2012 hatte Ilse Lenz eine Professur für Soziologie an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Bochum inne. Im SS 2017 und im SS 2018 war sie Seniorprofessorin an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Ilse Lenz ist Autorin und Mitherausgeberin zahlreicher Werke zur Geschlechterforschung, aktuell z.B. zusammen mit Sabine Evertz und Saida Ressel (Hrsg.): Geschlecht im flexibilisierten Kapitalismus? Neue Ungleichheiten (2017).



Abstract

Migration und Geschlecht in Bewegung. Aufbrüche in Bildung und Berufen

Die Forschung hat wenig wahrgenommen, wie sich die Teilhabe von EinwanderInnen verändert hat. In der Öffentlichkeit erscheint das Stereotyp vom ‚Gastarbeiter’ weiter vorherrschend, der mit wenig Bildung zu geringen Löhnen in der Industrie schafft. Doch eine neue Untersuchung zeigt, dass die Teilhabe von EinwanderInnen in Bewegung ist. Sie hat die langheimisch Deutschen und die Deutschen mit Migrationshintergrund, sowie die Menschen mit ausländischem Pass aus Ost- und Südeuropa betrachtet. Die große Mehrheit hat von der Bildungsexpansion und dem Trend zu Dienstleistungen profitiert. Unter allen Gruppen haben die Menschen mit Abitur um ein Vielfaches zugenommen. Das gilt auch für die Jugendlichen aus Südeuropa und der Türkei. Bei ihnen erwerben aber zugleich große Gruppen den Hauptschulabschluss, so dass der Aufstieg einer Teilgruppe von der fortgesetzten Ausgrenzung einer anderen begleitet wird. EinwanderInnen arbeiten sich auch in die Spitzenpositionen und das Mittelfeld der Berufsränge hoch. So ist der Anteil von Führungskräften unter den Männern mit deutsch-türkischem Pass heute ebenso hoch wie unter den langheimisch deutschen – und bei den Frauen weiterhin niedrig. Es besteht also kein allgemeiner Ausschluss mehr. Vielmehr zeigen sich widersprüchliche Muster von Ausschluss und Einschluss zugleich und damit neue Chancen und Risiken im Zusammenleben.