Krieg im Roman. Eine Literatur- und Gattungsgeschichte von Grimmelshausen bis Grass

Inhalt

Die Vorlesung führt ein in die literatur- und gattungsgeschichtlichen Transformationsphasen, die der Kriegsroman vom 17. bis ins 20. Jahrhundert durchläuft. Entlang der Wegmarken, die der Dreißigjährige und der Siebenjährige Krieg, die Befreiungskriege gegen Napoleon, der Deutsch-Französische Krieg und die beiden Weltkriege abstecken, geht es in historischer Perspektive um die sich verändernden Bedingungen des Schreibens, vor allem um die Herauslösung der Romanprosa aus den frühneuzeitlichen Konzepten von Geschichte (historia) und Gedächtnis (memoria) wie auch um die mythopoetische, nationalkulturelle oder religiöse Ausdeutung einzelner Kriegsereignisse im Prozess der Moderne. Hierbei sind zeitliche Rückbezüge auf frühere Geschehnisse nicht unwichtig. So wurde etwa die Kriegszeit zwischen 1914 und 1945 schon zeitgenössisch mit dem Dreißigjährigen Krieg verglichen (Lampart/Martin/Schmitt-Maaß 2019) oder der Erste Weltkrieg mit den Befreiungskriegen von 1813–15 und dem Reformationsjahr 1517 zur ‚intellektuellen Mobilmachung‘ (Schöning 2009) in Verbindung gebracht. In systematischer Perspektive begreift die Vorlesung den ‚Krieg im Roman‘ darum als ein jeweils bewusstseins-, kultur-, diskurs- und medienhistorisch wirkmächtiges Ereignis, das nach einer erzählerischen Verarbeitung verlangt. Neben narratologischen Analyseinstrumenten (Genette, Martinez/Scheffel), die an Textauszügen erprobt werden, soll auch ein Überblick über typologische Zuordnungen des Kriegsromans als ‚großer Form‘ und als Subgattung des historischen Romans (Aust 1994), des Zeitromans (Göttsche 2001) und des Gedächtnisromans (Erll 2003) sowie im Umfeld von anderen Genres und Medien wie dem Flugblatt, der Journalprosa, dem Bericht, dem Tagebuch oder der Utopie gegeben werden. In exemplarischen Lektüren behandeln wir kanonische, aber auch heute weniger bekannte Romane und die sie begleitenden forschungsgeschichtlichen Kontroversen. Präsentiert werden Grimmelshausen, Schnabel, Wezel, Mügge, Uechtritz, Freytag, Stratz, Raabe, Fontane, von Suttner, Th. und H. Mann, Jünger, Remarque, Renn, Broch, Döblin, Aichinger und Grass.

Das Veranstaltungsprogramm wird rechtzeitig bei ILIAS bereitgestellt.

 

Anforderungen:

  • Regelmäßige Teilnahme
  • 90-minütige Klausur in der letzten Sitzung mit multiple-choice-Anteilen und frei zu beantwortenden Fragen (Studienleistung)
  • Zusätzlich kann eine Prüfungsleistung erbracht werden: Sie besteht aus einer 15-seitigen Hausarbeit in den Modulen NDL I und LKSM I oder einer 30-minütigen mündlichen Prüfung in den Modulen NDL II und LKSM II
Organisatorisches

Bitte achten Sie auf die korrekte An- und Abmeldung zu den Studien- und Prüfungsleistungen im Campus Management System (CMS): Ohne Anmeldung kann eine Eintragung nicht erfolgen. Nachträgliche Eintragungen sind nur in begründeten Ausnahmefällen möglich. Konsultieren Sie bitte das Modulhandbuch (veröffentlicht auf der Website der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften) für Ihre Studienplanung und beachten Sie die dort angezeigten ‚modellierten Voraussetzungen‘ zu den Teilleistungen.