Abstracts und Biografien der Referenten

Indien zwischen Analphabetismus und Software‐Entwicklung

 

Dr. Wolfgang‐Peter Zingel
Südasien‐Institut, Universität Heidelberg

Die Wahrnehmung Indiens als führende internationale Software‐Schmiede und kommende Weltwirtschaftsmacht steht in deutlichem Kontrast zu  den traditionellen Vorstellungen, die das Land sowohl zur Projektionsfläche schwärmerischer Überhöhung (Weisheit des Ostens) als auch zum Schauplatz endloser Katastrophen (Armut und Hunger) machte. Auch im Bildungsbereich herrschen starke Diskrepanzen vor: Während einige indische Hochschulen heute zu den besten der Welt gehören, sind immer noch viele Inder von jeder formalen Bildung ausgeschlossen. Aus diesem Grund wird oft von den „zwei Indien” gesprochen. Diese „zwei Indien“ stehen derzeit unverbunden nebeneinander. Abhilfe kann hier die Bildung schaffen; sie bietet die Chance auf soziale Durchlässigkeit und wirtschaftlichen Erfolg in einer modernen Dienstleistungsgesellschaft.

 

Zingel Photo Der promovierte Diplom‐Volkswirt Wolfgang‐Peter Zingel ist Akademischer Mitarbeiter am Südasien‐Institut der Universität Heidelberg in der  Abteilung Wirtschafts‐ und Entwicklungspolitik. In seiner Forschungs‐ und Publikationstätigkeit hat sich Zingel auf wirtschaftliche, soziale und politische Fragen Südasiens spezialisiert. Er arbeitete in mehreren Projekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Deutschen Gesellschaft für  Technische  Zusammenarbeit und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes mit. Die Projekte beschäftigten sich mehrheitlich  mit  entwicklungstechnischen Fragen im Bereich der Agrar‐ und Wirtschaftspolitik. Zingler nimmt an mehreren akademischen Einrichtungen Lehrtätigkeiten in den Bereichen Entwicklungs‐, Agrar‐ und Sozialpolitik  sowie Finanzwissenschaft  wahr;  neben der
Universität Heidelberg ist er auch an der Himachal Pradesh University in Shimla, an der Exportakademie des Landes Baden‐Württemberg und der Berufsakademie Mannheim tätig.
Zingel ist Vorstandsmitglied des Vereins Forschungsstelle für internationale Agrar‐ und Wirtschaftsentwicklung e.V. Heidelberg sowie Mitglied der Diskussionsgruppe „Indien und China“ der Heinrich Böll‐Stiftung; für die Zeitschrift „Asien“ ist er als Wissenschaftlicher Beirat tätig.

 

 

Kultur in einem multinationalen Konzern – Ist globales Denken und lokales Handeln möglich? Culture in a Multinational – Is Thinking Global, Acting Local Possible?

 

Aneesh Banerjee
Business Operations-Manager SAP Labs Network bei SAP Walldorf

 

SAP ist – mit seinem Hauptsitz im deutschen Walldorf – der weltweit führende Hersteller von Unternehmenssoftware. Das Unternehmen ist in über 120 Län-dern vertreten und entwickelt Kernsoftware in zehn sogenannten Labs-Ländern. Aneesh Banerjee verwaltet den Geschäftsbetrieb dieses Netzwerkes. In seinem Vortrag wird er sowohl einen Einblick in die SAP-Labs-Netzwerkkultur ermögli-chen als auch die Erfahrungen, die er durch seinen Beruf in zahlreichen Kulturen und an vielfältigen Standorten sammelte, zur Diskussion stellen. Es soll außer-dem der Frage nachgegangen werden, wie es einem multinationalen Unterneh-men wie SAP gelingen kann, durch sensible Konfliktbewältigung das Beste aus den Unterschieden der vielen Kulturen zu gewinnen.

 

Foto Banerjee Aneesh Banerjee ist für die Leitung der Geschäftsbereiche der SAP-Entwicklungsstandorte, den sogenannten SAP-Labs, an 14 Standorten in 11 Län-dern zuständig. Somit ist er verantwortlich für die zentrale Koordination dieser Entwicklungsstandorte und erstattet dem Leiter des Global Network in der COO-Organisation Bericht.
Banerjee nahm 2005 seine Arbeit für die SAP in Bangalore, Indien auf; hier spiel-te er eine bedeutende Rolle bei der Einrichtung und dem Betrieb der Labs. Anschließend wechselte er nach Deutschland, wo er im Bereich „Research & Break-through Innovation“ direkt für den Vorstand als „Board Assistant“ arbeitete und die Verwaltungsaufgaben der Labs überwachte.
Vor seiner Tätigkeit bei SAP war er als Berater für den Technologie- und Out-sourcing-Dienstleister Accenture in Indien und den USA tätig. Banerjee hat umfassende Erfahrung in der Zusammenarbeit mit interkulturellen Teams und ist ein begeisterter Anhänger des sogenannten „„Cross Cultural Managements“. Er besitzt einen Bachelor in Physik und einen Master-Abschluss in Business Administration.

 

 

Erfolgsfaktoren für deutsche Firmen in Indien

 

Günter Wiskot
Geschäftsführer von BLAFOC, Black Forest Consulting GmbH

 

Günter Wiskot hat für sein neues Buch über die Erfahrungen deutscher Mittel-ständler in Indien mehr als 15 mittelständische Unternehmen unterschiedlicher Branchen sowie deren Manager und Partner in Indien interviewt. Der Vortrag fasst die Erfolgsfaktoren zusammen, die sich aus den sehr unterschiedlichen Vorgehensweisen dieser Firmen ableiten lassen und auch als Richtlinie für Firmen gesehen werden können, die ein Engagement in Indien erwägen.

 

Wiskot Wiskot ist Autor des Buches „Götter, Handys und Geschäfte“, einem Leitfaden für die interkulturelle Kommunikation in Indien, der sich nicht nur an Touristen, sondern insbesondere auch an Geschäftsreisende richtet.
Wiskot ist selbst mittelständischer Unternehmer sowie Gründer und Mitinhaber der command-Gruppe. Der Anbieter betriebswirtschaftlicher Branchensoftware und Dokumentenmanagement-Lösungen hat mehrere Standorte in Deutschland und rund 250 Beschäftigte.
2003 wechselte Wiskot in seinen Firmen vom Vorstand in den Aufsichtsrat. In diesem Jahr gründete er auch die BLAFOC Black Forest Consulting GmbH, die deutsche Firmen im Indiengeschäft sowie indische Firmen in Deutschland berät. Im Rahmen dieser Tätigkeit werden auch „Cultural Trainings“ für Unternehmer und deren Mitarbeiter durchgeführt.
Das Land Indien kennt er gut: Er ist seit 1974 mit einer Inderin verheiratet und hat seit 1995 einen Zweitwohnsitz in Indien.

 

 

Aktuelle Entwicklungen in Indien und an den indischen Universitäten durch den Einsatz von Informationstechnologie (IT)
Recent Developments in India and Indian Universities through the Use of I.T.

 

 

Prof. Dr. C. Patvardhan
Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Dayalbagh Educational Institute, Deemed University Agra, Indien

 

Der rasche Siegeszug der informationstechnologischen Revolution führt in zahlreichen Bereichen unseres Lebens und Handelns zu drastischen Veränderungen. Indien und die indischen Universitäten waren an der Spitze dieser Revolution; sie erkannten schnell ihr eigenes Potenzial, was dazu führte, dass die Kompetenz der indischen IT-Profis mittlerweile auf der ganzen Welt anerkannt ist. Die indischen Universitäten passen sich der starken Nachfrage nach IT-Spezialisten an und schaffen Plattformen für eine qualitativ und quantitativ hochwertige Ausbildung.
Die indische Regierung hat ihrerseits mehrere Initiativen aktiv unterstützt – darunter die Gründung des National Knowledge Network – um die Reichweite der Bildung trotz aller Hindernisse auf allen Niveaus zu verbessern. Wissen für jedermann ist die Devise.
Diese Einstellung verheißt sowohl für das Land als auch für die Weltwirtschaft Gutes, da Indien ein Land mit einer sehr jungen Bevölkerung ist: Im Jahr 2025 wird ein beträchtlicher Teil der weltweiten Arbeitskraft indisch sein. Die unglaubliche High-Speed-Konnektivität und die hohe Zuverlässigkeit, die heute zu einem Bruchteil der früheren Kosten zur Verfügung steht, bietet neue und aufregende Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit auf der Ebene der Kommunikation, der eigentlichen und wichtigsten Grundlage jeder Zusammenarbeit.
Der Vortrag befasst sich eingehend mit diesen spannenden Ereignissen in Indien und an den indischen Universitäten sowie mit den Implikationen für den Ausbau der deutsch-indischen Partnerschaft und Zusammenarbeit im 21. Jahrhundert.

 

Patvardhan Patvardhan arbeitet am Dayalbagh Educational Institute in Agra als Professor für Elektrotechnik und ist Koordinator des Post-Graduierten-Programms an der Fa-kultät für Maschinenbau. Er veröffentlichte über 200 Artikel in Fachzeitschriften und Tagungsberichten und gewann 20 „Best-Paper-Awards“; darüber hinaus publizierte er ein Buch und war Herausgeber zweier Tagungsberichte. Professor Patvardhan war an 11 Projekten im Bereich Forschung und Entwicklung beteiligt; seine aktuellen Forschungsinteressen beziehen sich auf den Bereich „Quantum and Soft Computing Algorithms and Image Processing“.
Patvardhan entwickelte sequentielle und parallele evolutionäre („Quantum-inspired“) Algorithmen für eine Vielzahl von Problemen im Bereich der kombina-torischen Optimierung und im Bereich der „Engineering Optimization“.
Er arbeitet im Rahmen des „The Future Ocean“-Projekts mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zusammen. Das EU-Projekt hat es sich zum Ziel ge-macht, durch das Bereitstellen kurzfristiger Handlungsalternativen, die durch einen einzigartigen Forschungsansatz fundiert werden, angemessen auf den Ozeanwandel reagieren zu können.
Für das indische Unternehmen Cadence Design Systems ist Patvardhan seit fünf Jahren als Berater im Bereich „Advanced Algorithms“ tätig.
Er ist darüber hinaus Mitglied eines Konsortiums zur Entwicklung von Technolo-gien der Optischen Zeichenerkennung (OCR – Optical Character Recognition) für indische Sprachen. Im Zuge zahlreicher akademischer Besuche bereiste er Deutschland, Großbritannien und Norwegen.

 

 

Wissenschaftsbeziehungen Indien – Deutschland

 

Prof. Dr. Anand Srivastav
Institut für Informatik, Christian‐Albrechts‐Universität zu Kiel

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte Indien im Oktober 2007 begleitet von Bundesforschungsministerin Annette Schavan und einer 30-köpfigen Wirt-schaftsdelegation. Bei der Reise standen die Wirtschafts- und Wissenschaftsbe-ziehungen im Mittelpunkt.
Die Bundesregierung sieht heute in Indien einen strategischen Partner, insbe-sondere im Bereich der Wissenschaft und Forschung.
In dem Vortrag sollen die vielfältigen Aktivitäten zum Ausbau der deutsch-indischen Wissenschaftsbeziehungen, aber auch ihre gesellschaftlich-kulturelle Dimension und die Rolle der deutsch-indischen Gesellschaft diskutiert werden.

 

SrivastavAnand Srivastav ist Professor für Diskrete Mathematik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Nach seinem Studium der Mathematik und Physik und der Promotion zum Dr. rer. nat. an der Universität Münster war er von 1988 bis 1996 als Assistenzprofessor an der Universität Bonn, der New York University, der Yale University sowie an der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin tätig.
Ab dem Jahr 2000 war er für fünf Jahre Sprecher des DFG-Graduiertenkollegs „Effiziente Algorithmen und Mehrskalenmethoden“.
Srivastav hat an mehreren Instituten leitende Positionen inne; so ist er seit 2007 Direktor am Institut für Informatik der Universität Kiel, seit 2008 ist er Vorstand des Kieler Exzellenzclusters „The Future
Ocean“. Der Cluster hat es sich zum Ziel gemacht, mittels des Transfers von Forschungsergebnissen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kurzfristige Handlungsalternativen aufzuzeigen und somit angemessen auf den Ozeanwandel reagieren zu können. Ebenfalls seit 2008 ist er Direktor im Vorstand des Computational Science Center der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Mitglied des Bundesvorstandes der Deutsch-Indischen Gesellschaft.

 

 

Interkulturelle Kommunikation über virtuelle Kanäle
Communication – The Key to Success for Intercultural Cooperation

 

Ashant Chalasani
Geschäftsführer euroblaze | Wapsol GmbH
Vorstandsvorsitzender Indisch‐deutsches Software Competence Network (Indescon) e.V.

 

Durch die Bereitstellung neuer, vielfältiger Kommunikationswege, wie sie das Internet seit den 1990´er Jahren bietet, wurde das Phänomen der modernen Globalisierung maßgeblich beschleunigt.
Aufgrund der neuen Technologien und der unternehmerischen Antriebsfaktoren ist es für die Menschen heute mehr denn je von Bedeutung, dass sie zusammen-kommen, miteinander kommunizieren, zusammenarbeiten und somit auch gemeinsam Fortschritte machen. Der Vortrag gibt Einblicke in die Kommunikation und Zusammenarbeit der „knowledge-worker“ in Indien und Deutschland.

 

Foto ChalasaniAshant Chalasani wurde in der südindischen Stadt Hyderabad geboren. Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der Purdue University, Indiana, USA, war er als Datenbank-Spezialist in Japan tätig. Dem Masterstudium in Deutschland, das er 2000 aufnahm, folgten 2002 mit der Gründung eines IT-Unternehmens erste unternehmerische Schritte. 2008 war er an der Gründung des indisch-deutschen Software-Kompetenz-Netzwerks Indescon e.V. beteiligt, dessen Vorstandsvorsitzender er bis heute ist. Das Netzwerk umfasst mehrere indische und deutsche Software-Unternehmen und hat es sich zum Ziel gemacht, die Zusammenarbeit der beiden Länder als potentielle Export- und Beschäftigungsmärkte voranzutreiben.