Home | English | Impressum | Sitemap | KIT
ZAK Logo
 Swenja_Zaremba
Ansprechpartnerin
Swenja Zaremba M.A.
Interkulturelle Projekte, Koordination des deutschen Netzwerks der Anna Lindh Stiftung

swenja zarembaFtb8∂kit edu
Tel.: 0721 608-44797


Ansprechpartnerin
Judith Milz
Interkulturalität und Globalisierung

Tel.: 0721-60841820
judith milzRok8∂partner kit edu

Kooperationspartner

World Science Café Banner

World Science Café

In der neuen Veranstaltungsreihe geben geflüchtete und gefährdete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblicke in ihr Forschungsfeld.

Das ZAK wird im Wintersemester 2016/17 in Kooperation mit dem International Scholars and Welcome Office (IScO)  des KIT ein neues Veranstaltungsformat ausrichten, in dem Geflüchtete über ihre wissenschaftliche Arbeit berichten. Die Vortragenden sind Forschende, die in Deutschland Schutz suchen, weil in ihren Herkunftsländern Krieg oder Verfolgung drohen oder ihre Forschungsfreiheit eingeschränkt ist. Das Wissen, die Expertise und die neuen Sichtweisen, die sie in die akademische Welt und in die deutsche Gesellschaft einbringen, sollen in diesem neuen Format sichtbar und einem interessierten Publikum bekannt gemacht werden. Im Anschluss an eine Kurzdarstellung findet, ganz im Sinne des titelgebenden Cafés, ein Gespräch statt, in dem gemeinsam mit einem landeskundigen Gesprächspartner die akademische Lage im Herkunftsland des Referierenden erörtert wird. Wie sieht bzw. sah der Forschungsalltag in Syrien, Usbekistan oder in der Türkei aus? Was bedeutet ein freies akademisches Klima für Forschung? Und welche Implikationen hat es für eine Gesellschaft, wenn ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht mehr im eigenen Land forschen können? Die Reihe ist Teil des KIT-Programms im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative. Diese wurde von der Alexander von Humboldt-Stiftung gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt ins Leben gerufen und ermöglicht Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland die Verleihung von Stipendien für Forschungsaufenthalte an gefährdete Forscherinnen und Forscher. Finanziert wird diese Initiative durch das Auswärtige Amt, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die Fritz Thyssen Stiftung, die Gerda Henkel Stiftung, die Klaus Tschira Stiftung, die Robert Bosch Stiftung sowie die Stiftung Mercator.

Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten.


Programm

Mittwoch, 30. November 2016, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Hussein Almohamad (Syrien), Anthropogeographie
Institut für Geographie, Justus-Liebig-Universität Gießen

Mittwoch, 01. Februar 2017, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Ammar Abdulrahman (Syrien), Archäologie
Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES), Eberhard Karls Universität Tübingen
Veranstaltung in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission.

Mittwoch, 15. Februar 2017, 18:00 Uhr
Prof. Dr. Hande Birkalan-Gedik (Türkei), Frauen- und Geschlechterforschung
Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

Eröffnungsvortrag: Beteiligung ausländischer Gruppen im Konflikt um Syrien: Status Quo und Zukunftsperspektiven

Mittwoch, 30.11.2016, 18:00 Uhr, Ort: Foyer des Präsidiumsgebäudes (Adolf-Würth-Gebäude, Geb. 11.30), im Ehrenhof, Engelbert-Arnold-Str. 2, KIT-Campus Süd - Lageplan (PDF ca.1 MB)

Prof. Dr. Hussein Almohamad

Prof. Dr. Hussein Almohamad (Syrien)

Gastprofessor für Anthropogeographie, Institut für Geographie, Justus-Liebig-Universität Gießen

Veranstaltung auf Youtube

Zu den Bildern der Veranstaltung

An den Protesten gegen die Regierung beteiligten sich in der Anfangsphase, 2011, Gruppierungen aus unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung. Mit zunehmender Dauer der Revolution eskalierten diese zu einem bewaffneten Konflikt – dazu kommen inzwischen eine ganze Reihe weiterer religiöser und ethnischer Konflikte. Durch Geld- und Waffenströme aus dem Ausland und an dem Konflikt beteiligte Söldnergruppen nimmt die Auseinandersetzung immer mehr den Charakter eines Stellvertreterkrieges in Syrien und im gesamten Nahen Osten an. Nach fünf Jahren Krieg kristallisieren sich vier große Konfliktpartien heraus: das Assad-Regime, der Islamische Staat (IS), die autonome kurdische Region "Rojava" und die Rebellen. Inzwischen sind mehr als 80.000 ausländische Kämpfer an dem Konflikt beteiligt. Der Vortrag analysiert das Phänomen der freiwilligen ausländischen Kämpfer, ihre Motivation sich an den Kämpfen in Syrien beteiligen und die Perspektiven dieses Vorgangs.

Prof. Dr. Hussein Almohamad hat an der Universität Damaskus Geographie studiert und hatte anschließend eine Assistentenstelle am Geographischen Institut der Universität Aleppo inne. 2009 promovierte er an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit einer Doktorarbeit im Bereich Klimawandel und Bedrohung durch Naturgefahren. Von 2009 bis 2013 lehrte Almohamad Klimatologie und politische Geographie in einer Assistenzprofessur an der Universität Aleppo. Seit 2014 ist Almohamad Gastprofessor an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Bereich Anthrophogeographie und Geographische Entwicklungsforschung.

 

Das syrische Kulturerbe in Krisenzeiten

Mittwoch, 01.02.2017, 18:00 Uhr, Ort: Foyer des Präsidiumsgebäudes (Adolf-Würth-Gebäude, Geb. 11.30), im Ehrenhof, Engelbert-Arnold-Str. 2, KIT-Campus Süd - Lageplan (PDF ca.1 MB)

Prof. Dr. Ammar Abdulrahman (Syrien)

Prof. Dr. Ammar Abdulrahman (Syrien)

Archäologie, Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES), Eberhard Karls Universität Tübingen

Zum tabellarischen Lebenslauf als PDF

Unser Weltkulturerbe hat im Lauf der Geschichte unter Naturphänomenen wie Erdbeben und Vulkanausbrüchen gelitten – und es hat ebenfalls unter menschlichen Einflüssen und Aktivitäten gelitten, wie Kriegen. Syrien ist ein aktuelles Beispiel um dieses Phänomen anhand eines Ortes zu beleuchten, der als eine der ältesten Zivilisationen der Welt gilt und dessen Vielfalt nun akut wegen der andauernden Krise in Gefahr ist. Als unmittelbare Auswirkung des nun bereits vier Jahre anhaltenden Krieges, sind einige Ausgrabungsstätten komplett von radikalislamischen Gruppen zerstört worden. Viele sind zu Kriegsschauplätzen geworden – als Randerscheinung werden die archäologischen Fundstätten gewaltvoll geplündert und Zeugen illegaler Ausgrabungen bewaffneter Plünderer. Diese Bedrohung des syrischen Kulturerbes hält nun schon das fünfte Jahr an – und es ist kein Ende in Sicht.

Prof. Dr. Ammar Abdulrahman hat u.a. in Damaskus und Konstanz Alte und Altorientalische Geschichte studiert und 2006 an der Universität Damaskus promoviert. Seit 2005 war Abdulrahman Direktor des Departments für Museumsangelegenheiten in der Generaldirektion des syrischen Antikendienstes, anschließend, seit 2008, Direktor des al-Basil Zentrums für archäologische Forschung in Damaskus. Seit 2010 ist Abdulrahman Projektleiter und Herausgeber der mehrbändigen „Archeological Encyclopedia“ in Syrien. Er hält diverse Lehraufträge u.a. an der Universität Damaskus in der Archäologie-Abteilung, dessen Direktor er seit 2013 ist. 2014-2015 folgte eine Vertretungsprofessur für Archäologie an der Universität Konstanz. Seit 2014 ist er Mitglied der Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA) der Berlin-Brandenburg Akademie der Wissenschaften. Abdulrahman hat zahlreiche Monographien und Aufsätze für Fachzeitschriften und Enzyklopädien verfasst, er war Leiter bedeutender feldarchäologischer Tätigkeiten und nimmt als Experte hierzu an internationalen Kongressen teil. Seit 2016 ist er an der Eberhard Karls Universität Tübingen am Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES) und arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt zur bronzezeitlichen Siedlungsentwicklung in Syrien und dem nördlichen Irak, in dem antike Siedlungsplätze in beiden Ländern mit modernen Geoinformationssystemen kartiert werden sollen. Das Projekt soll damit auch zum Erhalt des Kulturerbes in Syrien und dem Irak beitragen.

Veranstaltung in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission.

Anschließendes Gespräch mit Prof. Dr. Hartwig Lüdtke.
Prof. Dr. Hartwig Lüdtke ist seit Oktober 2014 Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, seit 2006 ist er Mitglied im Deutschen Nominierungskomitee für das UNESCO-Programm "Memory of the World". Prof. Lüdtke ist Stiftungsvorstand und Direktor des Technoseums in Mannheim.

Zum Lebenslauf

 

On Refugee Lives, or A Note on Human Condition (Vortrag auf Englisch)

Mittwoch, 15.02.2017, 18:00 Uhr, Ort: Foyer des Präsidiumsgebäudes (Adolf-Würth-Gebäude, Geb. 11.30), im Ehrenhof, Engelbert-Arnold-Str. 2, KIT-Campus Süd - Lageplan (PDF ca.1 MB)

Prof. Dr. Hande Birkalan-Gedik

Prof. Dr. Hande Birkalan-Gedik (Türkei)

Frauen- und Geschlechterforschung, Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt

On Refugee Lives, or A Note on Human Condition / Prof. Dr. Hande Birkalan-Gedik 
  
“Unser Jahrhundert, ist ein Jahrhundert der Entwurzelung, in dem immer weniger Menschen ihr Leben dort verbringen, wo sie geboren werden“, beschrieb Michael D. Jackson (Harvard Divinity School) einst scharfsinnig den Menschheitszustand unseres Jahrhunderts. Zunehmend verlassen Menschen ihr Heimatland und leben an Orten, an denen sie nicht geboren wurden. In den vergangenen Jahren findet eine Art von Bewegung statt – in Form von Massensiedlung und -vertreibung: Menschen aus Osten und Süden wollen nach Europa – hin zur „Festung Europa“. Sie unterscheiden sich von den Migranten, die vor über 50 Jahren nach Europa kamen, den Gastarbeitern, die ebenfalls versuchten sich an einem neuen Ort niederzulassen. Heute sind die Menschen, die versuchen nach Europa zu kommen Geflüchtete, mit der Hoffnung, dass sie dort mehr Sicherheit erwarte als inmitten der politischen Situation aus der sie kommen und über die sie keine Kontrolle haben. Ihre Reise findet hauptsächlich im Meer statt – in „unserem Meer“, Mare Nostrum, den meisten bekannt als das Mittelmeer – riesige, hungrige Wassermassen. Wer Glück hat, ist einer von zweien, der das europäischen Festland erreicht. 
Der Vortrag vertieft sich in die Lebensrealitäten von Geflüchteten, beginnend mit dem Entschluss einen Ort zu verlassen, über die Ambivalenz von Leben und Tod im Meer, in „unserem Meer“ zu den Hoffnungen, die sie in den neuen Ort setzen. Wie fühlt es sich an ein Geflüchteter zu sein? Fühlt man sich zuhause in der Welt? Wie empfinden sie den neuen, fremden Ort? Welche Ängste, Bedürfnisse und Wünsche haben die Menschen, die nach Europa kommen? 
An diese Fragen anschließend, beabsichtigt dieser Vortrag eine Bestandsaufnahme der Flüchtlingskrise, der Europäischen Flüchtlingskrise. Aber er kann ebenso gut verstanden werden als Überprüfung der conditio humana.

Prof. Dr. Hande Birkalan-Gediks Forschungsschwerpunkte sind Anthropologie, Folkloristik und Gender Studies. Im Anschluss an ihr Studium an der Boğaziçi-Universität Istanbul absolvierte sie ein M.A./Ph.D.-Programm an der Indiana University Bloomington in den USA. Sie unterrichtet zu Themen wie Migration, Gender, Nationalismus, Raum und Narrative, Feminismustheorie und -methoden, Forschungsmethoden, anthropologische Theorie und die Geschichte der Folklore – unter anderem in den USA, Europa, Zentralasien, dem Kaukasus und dem Nahen Osten. Zurzeit ist Birkalan-Gedik Gastprofessorin an der Goethe-Universität Frankfurt.

Sie ist Mitherausgeberin der Sammlung Gelenekten Geleceğe Antropoloji (Anthropologie von der Vergangenheit bis in die Zukunft, 2005). Sie ist außerdem Herausgeberin der Publikation Sınırlar, İmajlar, Kültürler (Grenzen, Bilder, Kulturen, 2013), die einen Artikel von Birkalan-Gedik über die Türkei enthält, und Gastherausgeberin einer Sonderausgabe zum Thema Folklosristik der Zeitschrift Folklor/Edebiyat (Folklore/Literatur, 2000). Von 2014 bis 2015 arbeitete sie an einem Projekt über Väter mit türkischem Migrationshintergrund im Rhein-Main-Gebiet. Zwei weitere Bücher sollen 2017 erscheinen, Feminist Antropoloji: Türkiye’den ve Dünyadan Kültürlerarası Perspektifler (Feministische Anthropologie: Interkulturelle Perspektiven aus der Turkei und der Welt) und Changing Paradigms of Anthropology in Turkey: Intersecting European Ethnology and American Anthropology (Paradigmenwechsel der Anthropologie in der Türkei: Treffpunkt europäischer Ethnologie und amerikanischer Anthropologie).

 

 

Der Eintritt ist frei.