Home | English | Impressum | Datenschutz | Sitemap | KIT
ZAK Logo
Elisabeth Löser
Ansprechpartnerin
Elisabeth Loeser
Weiterbildung / AWWK

Tel.: 0721/608 45898

elisabeth loeser∂kit edu

Banner Physoanalyse

Ringvorlesung: Einführung in die Psychoanalyse

„Ich sage Ihnen, die Psychoanalyse begann als eine Therapie, aber nicht als Therapie wollte ich sie Ihrem Interesse empfehlen, sondern wegen ihres Wahrheitsgehalts, wegen der Aufschlüsse, die sie uns gibt über das, was dem Menschen am nächsten geht, sein eigenes Wesen, und wegen der Zusammenhänge, die sie zwischen den verschiedensten seiner Betätigungen aufdeckt.“

(S. Freud, Neue Folge der Vorlesungen über Psychoanalyse, 34. Vorlesung. GW Band XV, S. 169, (1933))

Sigmund Freud stellt das Feld seiner jungen Wissenschaft vor. Was können wir über das Intimste in uns wissen? Was davon zur Sprache kommen kann, folgt nicht allein unseren Absichten und unserem Wollen. Unsere Erinnerung ist lückenhaft. Welcher Ordnung, welchem Gesetz unterstehen die Lücken, mit denen uns unser „Bewusstsein“ konfrontiert? Wonach richtet sich, was wir über das Psychische und die Zusammenhänge unserer Betätigungen wissen können?

Geht die Psychoanalyse dem nach, was gesagt werden kann, so kann sie entdecken, was uns in der Sprache mitgegeben wurde. Die sieben Vorträge im Wintersemester 2019/2020 werden dies unter verschiedenen Gesichtspunkten befragen: Wie sind unsere Bindungen unbewusst determiniert? Wie können unbewusste Vorgänge und Strebungen anerkannt werden? Welcher Rechtssprechung untersteht das, was die Psychoanalyse aufdeckt? Wie gelingt oder scheitert die Anerkennung des Geschlechts? Diese Themen können nicht losgelöst von der Frage angegangen werden, welche epistemologische Legitimität der Psychoanalyse selbst zukommt. Woraus ist sie hervorgegangen und welches ist ihr Ort gegenüber der Wissenschaft? Was wäre „eine Wissenschaft, welche die Psychoanalyse einschließt?“ (Jacques Lacan).

Eine Veranstaltungsreihe der AWWK – Akademie für Wissenschaftliche Weiterbildung Karlsruhe in Kooperation mit dem ZAK.

Der Eintritt ist frei.
 

 

Das Unbewusste und die Wiederholung

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 18 Uhr, Kleiner Hörsaal, Geb. 10.50,
(Bauingenieurwesen), Reinhard-Baumeister-Platz 1, 76131 Karlsruhe

Dr. med. Peter Müller, Karlsruhe

Psychoanalytische und psychotherapeutische Praxis in Karlsruhe. Mitherausgeber von „Klinik der Psychoanalyse“, Turia und Kant; Gründungsmitglied des Psychoanalytischen Kollegs e. V.

 

Abstract

Freud hat die Bilderrätsel des Traums und den Sinn der Symptome entziffert und damit dem Einzelnen die Verantwortung für sein Unbewusstes zurückgegeben. Was heißt das für „...das, was dem Menschen am nächsten geht, sein eigenes Wesen“[1], d. h. , seine Kindheit, seinen Körper, seine Familie und seine Herkunft und seine Beziehung zur Sprache?

[1]Sigmund Freud, Neue Folge der Vorlesungen über Psychoanalyse, 34. Vorlesung. GW Band XV, S. 169, (1933): »Ich sage Ihnen, die Psychoanalyse begann als eine Therapie, aber nicht als Therapie wollte ich sie Ihrem Interesse empfehlen, sondern wegen ihres Wahrheitsgehalts, wegen der Aufschlüsse, die sie uns gibt über das, was dem Menschen am nächsten geht, sein eigenes Wesen, und wegen der Zusammenhänge, die sie zwischen den verschiedensten seiner Betätigungen aufdeckt.«

 

 

Die Bedeutung der Neurowissenschaften für die Erfindung und Neuerfindung der Psychoanalyse

Mittwoch, 13. November 2019, 18 Uhr, Kleiner Hörsaal, Geb. 10.50,
(Bauingenieurwesen), Reinhard-Baumeister-Platz 1, 76131 Karlsruhe

Dr. med. André Michels, Luxembourg, Paris

Psychiater und Psychoanalytiker; Zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen zu Fragen der Klinik, Theorie und den Grundlagen der Psychoanalyse.

 

Abstract

Auf der Höhe der neurowissenschaftlichen Forschung seiner Zeit angekommen, scheiterte Freud am Versuch einer wissenschaftlichen Begründung der Psychologie. Ist dieses Scheitern konjunkturell bedingt oder vielmehr bestimmend für die Erfindung der Psychoanalyse? Dieser bisher kaum gestellten Frage möchte ich in meinem Vortrag nachgehen, um mehr über die heutige (und vielleicht zukünftige) Entwicklung der Psychoanalyse zu erfahren, in ihrem Verhältnis zu den Neurowissenschaften und einer großen Vielfalt von Psychotherapieformen, die ihr gegenüber einen Hegemonieanspruch erheben.

 

 

Das Freudsche Versprechen. Der Witz und die Fehlleistungen

Mittwoch, 27. November 2019, 18 Uhr, Kleiner Hörsaal, Geb. 10.50,
(Bauingenieurwesen), Reinhard-Baumeister-Platz 1, 76131 Karlsruhe

Dipl.-Psych. Max Kleiner, Horb

Psychoanalytische und psychotherapeutische Praxis in Horb am Neckar. Arbeitsschwerpunkte sind neben der klinischen Praxis die Arbeit an und die Übersetzung von Texten aus dem Bereich der Lacan'schen Psychoanalyse.

 

Abstract

Unter diesem Titel sollen der Aufbau und die Gemeinsamkeiten von psychischen Phänomenen wie dem Witz und dem sogenannten Freudschen Versprecher, dem Vergessen von Namen oder Daten und anderen Missgriffen dargestellt werden, so wie Freud sie als beispielhaft für das Wirken des Unbewussten begriffen hat. Die gezeigten Zusammenhänge werden auch auf andere Bereiche des Seelenlebens wie den Traum und das psychische Symptom bezogen. Dabei wird deutlich, wie viel Ähnlichkeit Freuds Vorstellungen vom Unbewussten und vom Triebleben mit einer Theorie der Sprache haben, wie sie erst Jahrzehnte später entwickelt worden ist. Schließlich soll darauf hingewiesen werden, dass es auch in der psychoanalytischen Praxis darum geht, eine Sprechsituation zu schaffen, in der sich Dinge wie Witz oder Versprecher nicht nur ereignen können, sondern sogar erwünscht sind.

 

 

Psychoanalytische Perspektiven der mütterlichen Depression

Mittwoch, 11. Dezember 2019, 18 Uhr, Kleiner Hörsaal, Geb. 10.50,
(Bauingenieurwesen), Reinhard-Baumeister-Platz 1, 76131 Karlsruhe

Dr. phil. Dipl.-Psych. Catherine Moser, Ulm

Psychoanalytikerin in Neu-Ulm. Studium von Psychologie sowie Philosophie u.a. an der Sorbonne Universität Paris. Promotion an der Universität Kassel. Mitarbeiterin von Francoise Dolto bei der Maison Verte in Paris. Ihr Forschungsthema und persönliches Interesse betreffen überwiegend die Interaktion Mutter-Kind, und die Entwicklung des kleinen Mädchens in Bezug auf die Weiblichkeit.

 

Abstract

Die Schwere und Häufigkeit der post-partum-Störungen weisen darauf hin, dass es eine Verbindung zwischen der Konstitution einer weiblichen Identität und den bei der Mutterschaft, sich daraus ergebenden Frustrationen und Enttäuschungen geben muss.
In dem Vortrag sollen die Wirkungen der Mutterschaft auf das Selbstverständnis der Weiblichkeit untersucht, und die Krisenmomente bereits in der Schwangerschaft, aber auch bei der Trennung-/ Entbindung als Krisenpunkt, aufgezeigt werden. Unter diesem Blickwinkel erscheint die Depression weniger als Zustand, sondern als ein Fehlentwicklungsprozess innerhalb der Struktur des Begehrens. Der Blick zwischen Mutter und Kind gibt Aufschluss über die Art der Interaktion und der frühen Beziehung: die Spiegelfunktion des Blickes der Mutter ist die narzisstische Besetzung des Kindes. Daraus entspringt die Spiegelung des Blicks als Erinnerung einer Störung in der transgenerationalen Weitergabe der Geschichte zwischen Mutter und Kind, manchmal mit verheerenden Folgen.

 

 

Psychoanalyse und Recht: Wie kommt das Gesetz in das Subjekt?

Mittwoch, 15. Januar 2020, 18 Uhr, Kleiner Hörsaal, Geb. 10.50,
(Bauingenieurwesen), Reinhard-Baumeister-Platz 1, 76131 Karlsruhe

 

Dr. phil. Dipl. Psych. Bernhard Schwaiger, Berlin

Als Psychologischer Psychotherapeut im Justizvollzug Neustrelitz/Mecklenburg und Psychoanalytiker in eigener Praxis in Berlin. Mitglied der Freud-Lacan-Gesellschaft Berlin. Veröffentlichungen: Das Begehren des Gesetzes; Zur Psychoanalyse jugendlicher Straftäter. Transcript, 2009.

 

Abstract

Sigmund Freuds psychoanalytische Mythen bieten aktuell wohl den beliebtesten Angriffspunkt, um die Analyse als wissenschaftlich obsolete oder gar als unwissenschaftliche Methode abzukanzeln. Hier soll herausgestellt werden, dass Freud mit den Erzählungen von Oedipus und Narziss und vor allem in dem entwicklungsgeschichtlichen Narrativ „Totem und Tabu“ versuchte, von einer zumindest in den Naturwissenschaften tabuisierten Fragestellung – die des Ursprungs – auszugehen, um Fragen über die menschliche Sexualität und des Begehrens zu stellen und zu theoretisieren. Der lapidar formulierte Titel des Vortrags: „Wie kommt das Gesetz in das Subjekt“, geht von einer Pathologie bzw. einer Transgression aus: Was passiert wenn das Übertreten von Gesetzen vermeintlich zu einer Diagnose führt, die wiederum – wenn sie substantiell (also naturwissenschaftliche) gedeutet wird und das Subjekt mit der Pathologie gleichsetzt (z.B. der Psychopath oder der Dissoziale) – zu einem naturalistischen Fehlschluss führt. Dieser besteht in diesem Falle darin, dass spezifische gesellschaftliche Werte als natürliche Normen definiert werden sollen.
Die besondere Herausforderung, die sich der Psychoanalyse vor allem in der Arbeit in Institutionen – so z.B. im Justizvollzug – stellt, ist zu vermitteln, dass die Faktizität des positiven Rechts nie deckungsgleich mit der partikularen Wahrheit (Wünschen, Ansprüchen etc.) des Subjekts sein kann. Allerdings kann Inhalt und Ziel einer Therapie oder „Straftataufarbeitung“ sein, eine Einsicht in diese Differenz von Anspruch und gesellschaftlicher Wirklichkeit zu gewinnen, um eine Auseinandersetzung damit zu beginnen. Die Entwicklung eines eigenen Begehrens, das Gesellschaftsnormen als notwendig und verbindlich begreifen lernt, wird dann möglich.

 

 

Sublimierung oder: Wie wird der Mensch kulturfähig?

Freitag, 24. Januar 2020, 18 Uhr, Kleiner Hörsaal, Geb. 10.50,
(Bauingenieurwesen), Reinhard-Baumeister-Platz 1, 76131 Karlsruhe

 

Dr. rer.soc. Claus-Dieter Rath, Berlin

Psychoanalytiker in Berlin. Veröffentlichungen über Fragen der psychoanalytischen Praxis, der Geschichte der Psychoanalyse und über die Massenpsychologie des Alltagslebens. Letzte Buchveröffentlichungen: Der Rede Wert. Psychoanalyse als Kulturarbeit. Wien/Berlin (Turia+Kant 2013). Sublimierung und Gewalt. Elemente einer Psychoanalyse der aktuellen Gesellschaft (Psychosozial 2019).

 

 

„Von Stil und Stilblüten" – aber was haben diese mit dem Unbewussten zu tun?

Freitag, 7. Februar 2020, 18 Uhr, Kleiner Hörsaal, Geb. 10.50,
(Bauingenieurwesen), Reinhard-Baumeister-Platz 1, 76131 Karlsruhe

 

Dr. phil. Johanna Vennemann, Köln, Rom

Psychoanalytikerin, praktiziert in Rom und Köln. Psychologiestudium in Rom. Ausbildung zur Psychoanalyse in Paris und Rom. Dozentin des Laboratorio Freudiano pet la formazione Degli psicotherapeuti in Rom. Mitglied der Association Lacanienne Internationale, Paris.

 

Abstract

Was unterscheidet die Psychoanalyse von allen anderen Techniken Psy? Es ist die Anerkennung der Existenz des Unbewussten, die Arbeit mit dem Unbewussten.
Wie aber manifestiert sich das Unbewusste, das ja per Definition nicht an sich zugänglich ist? Wir wissen von dem Unbewussten über dessen Bildungen: Symptom, Traum, Witz, Fehlleistung. All diese Bildungen des Unbewussten sind aus Sprache gemacht, lehrt uns Lacan, und: Das Unbewusste ist wie eine Sprache strukturiert. Von diesen Entdeckungen Freuds und Lacans möchte ich sprechen; und ich gehe dabei von der Frage aus: Wie kann es eine Transmission der Psychoanalyse geben?