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Geschichte des Studium Generale von 1949 bis heute

Zum Wintersemester 1949/50 wurde an der Fridericiana in Karlsruhe das Studium Generale gegründet. Damit mündeten die Bemühungen zur Einführung allgemeinbildender Lehrangebote in die Etablierung einer offiziellen universitären Einrichtung. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten Lehren aus der Diktatur des Nationalsozialismus gezogen werden. Die erklärte Absicht und vorrangige Aufgabe des Studium Generale war es daher, zur kritischen Selbstreflexion an Universitäten beizutragen und Orientierungshilfe in der jungen rechtsstaatlichen Demokratie der Bundesrepublik zu geben.

 

Als Vordenker und Gründungsvater der Förderung der Allgemeinen Bildung an der Karlsruher Hochschule gilt jedoch bereits Ferdinand Redtenbacher (1809-1863). Er war Professor für Maschinenbau und von 1857 bis 1863 Direktor des Polytechnikums Karlsruhe. Ihm ist es zuzuschreiben, dass wissenschaftlich-mathematische Methoden in die bis dahin handwerklich-empirisch ausgerichtete Maschinenlehre eingeführt wurden. Redtenbacher setzte sich aber ebenso intensiv für den Ausbau der allgemeinbildenden Fächer ein, die eine breite humanistische Bildung der Ingenieure sichern sollten. Er forderte die Einführung der Fächer Philosophie, Geschichte, Literatur, Nationalökonomie sowie Staats- und Rechtskunde.

 

Nach der Institutionalisierung des Studium Generale an der Universität Karlsruhe übernahm der Historiker Prof. Dr. Walther Peter Fuchs ab 1953 die Leitung. Dieser war nach einem Aufenthalt 1952 an amerikanischen Universitäten davon überzeugt, dass das Studium Generale gestärkt werden und modulartig in die Lehrpläne eingeführt werden sollte. Er konnte sich jedoch mit dieser Überzeugung nicht durchsetzen und zog sich Ende 1959 aus dem Amt zurück.

 

Der Philosoph Prof. Dr. Simon Moser trat daraufhin die Leitung des Studium Generale an. Dieser hatte sich bereits in den 1950er Jahren mit den politischen und sozialen Folgen technologischer Entwicklung auseinandergesetzt – einem Schwerpunkt, der im Studium Generale unter Einbeziehung vieler Professoren eine bedeutende Rolle spielte. In den 1970er Jahren gab es mehrere Professoren an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften, die sich mit den Zusammenhängen und Wechselbeziehungen zwischen Technologieentwicklung und Gesellschaft beschäftigten. Hierzu zählten insbesondere die Philosophen Prof. Dr. Hans Lenk, Prof. Dr. Ernst Oldemeyer, Prof. Dr. Günter Ropohl, der Soziologe Prof. Dr. Hans Linde und später Prof. Dr. Helmut Spinner sowie der Literatur- und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Götz Großklaus.

 

Seit dem Wintersemester 1972/73 wurde das Studium Generale in Karlsruhe schließlich zu einer zentralen Universitätseinrichtung, die laut §1 der Satzung „der aktuellen und auf künftige Probleme gerichteten Selbstreflexion der Universität dienen“ sollte.

 

Dabei standen grundlegende, fächerübergreifende und an den Wissenschaften orientierte Dialoge im Mittelpunkt des Studiums, bei dem ein Zwei-Säulen-Modell als Orientierung dienen sollte. In diesem wurden zum einen der Hintergrund der Philosophie und anderer Reflexionsdisziplinen und zum anderen die Bezugnahme auf die Fachwissenschaft berücksichtigt. Im Fokus der Einrichtung stand hauptsächlich die Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungstendenzen aus Technik, Natur und Wissenschaft. So konnten an der primär technisch ausgerichteten Hochschule Forschungsinhalte aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven untersucht werden.

 

Als zentrale Institution übernahm das Studium Generale nun die Koordination der von den Fakultäten angebotenen und durchgeführten Veranstaltungen und damit die Eingliederung in ein Studienangebot, das allen Studierenden und Interessierten vielfältige Möglichkeiten der wissenschaftlichen Auseinandersetzung über das Studienfach hinaus bot.

 

Interdisziplinäre Studien, der offene Zugang zu Veranstaltungen aller Fakultäten und Öffentliche Wissenschaft im Dialog mit einem außeruniversitären Umfeld – diese Möglichkeiten wurden an der Universität Karlsruhe damit bereits sehr früh geboten und zu dieser Zeit im Rahmen eines umfassenden Lehrangebots als feste Einrichtungen etabliert.

 

Von 1972 bis 1979 war Prof. Dr. Günter Ropohl Geschäftsführer des Studium Generale. Ab 1977 übernahm der Soziologe und Philosoph Prof. Dr. Günter Ropohl bis 1981 hauptamtlich, bis 1987 kommisarisch die Leitung des Studium Generale. Ihm folgte im Amt der Philosoph Prof. Dr. Helmut Spinner, der 1987 auf eine Professur mit der Denomination Technik und Gesellschaft/Technikphilosophie berufen und zum Leiter des Studium Generale ernannt wurde.

 

Er stand der Institution bis 2002 vor und vertiefte die Struktur des Arbeitsprogramms. Dieses setzte sich aus drei Säulen zusammen, die die von Prof. Dr. Simon Moser bereits eingeführten Veranstaltungen Colloquium Fundamentale und Akademische Stunde – welche heute eine Fortführung im Rahmen der Veranstaltung „KIT im Rathaus“ findet – sowie weitere Sonderveranstaltungen umfasste. Mit diesem Programm konnte ein wissenschaftlicher Diskurs zwischen der Universität Karlsruhe und der außeruniversitären Öffentlichkeit etabliert werden. Das Vorlesungsverzeichnis des Studium Generale setzte sich aus zahlreichen technischen und musischen Lehrveranstaltungen, Sprachkursen und themenbezogenen Sonderveranstaltungen zusammen und berücksichtigte dabei vor allem auch die Vermittlung von wichtigen Schlüsselkompetenzen.

 

Am 5. Juli 2002 wurde aufgrund eines Senatsbeschlusses das Studium Generale in neuer Form weitergeführt. Das seit 1989 bestehende Interfakultative Institut für Angewandte Kulturwissenschaft (IAK) und das Studium Generale fusionierten institutionell zum ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale. Unter der Leitung von Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha wurde so an der Universität Karlsruhe eine neue, zentrale Einrichtung geschaffen. Die Gründung des ZAK wurde im Rahmen der Eröffnung der 7. Karlsruher Gespräche am 14. Februar 2003 feierlich begangen. Zwei Einrichtungen der Universität Karlsruhe, die bereits seit vielen Jahren zwar unabhängig voneinander existiert, aber stets einen kontinuierlichen Austausch gepflegt hatten, waren nun miteinander verbunden.