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Geschichte

Nachrufe

Das ZAK-Team trauert um langjährige Freunde und kluge Wegbegleiter. Mögen sie in Frieden ruhen.

Nachruf Prof. Dr. Bernd Thum (17.4.1940 – 16.6.2018)

Am 16. Juni 2018 ist unser Freund und Mitstreiter Bernd Thum, Professor emeritus für Germanistische Mediävistik und Interkulturelle Germanistik verstorben. Er zählte zu den prägenden Persönlichkeiten eines wissenschaftlich fundierten interkulturellen Austausches. Er war Mitglied der kollegialen Leitung des von ihm 1989 mitbegründeten Interfakultativen Instituts für Angewandte Kulturwissenschaft (IAK) an der Universität Karlsruhe (TH).

Auch auf seine Initiative ging bereits 1983 die Einrichtung der Forschungsstelle Angewandte Kulturwissenschaft dem IAK voraus. Bernd Thum war die Wahrung des kulturellen Erbes und dessen bewusste Wahrnehmung als eine Grundlage unseres Selbstverständnisses und Handelns ein besonderes Anliegen.

Bernd Thum war der festen Überzeugung, dass Kulturwissen und ein dynamisches Zusammenwirken von Wissenselementen unterschiedlicher Herkunft eine Grundlage für eine wünschenswerte kulturgeprägte Orientierung des Zusammenlebens der Menschen sein kann und deshalb von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung ist.

Aus diesen Überlegungen hat er auch das einzigartige „Begleitstudium Angewandte Kulturwissenschaft“ maßgeblich mit ins Leben gerufen, das im Wintersemester 1990/91 zum ersten Mal für die Studierenden der Universität Karlsruhe (TH) angeboten wurde.

Von 2007 bis 2013 war Bernd Thum Vorsitzender des Wissenschaftlichen Initiativkreises Kultur und Außenpolitik am Institut für Auslandsbeziehungen (ifa). Nach seiner Emeritierung 2010 baute er mit Unterstützung des ifa die Stiftung "Wissensraum Europa-Mittelmeer" (WEM) auf, die sich als Netzwerk für einen kulturellen Dialog im Mittelmeerraum versteht. Die Entwicklung eines "euro-mediterranen Wissensraums" war ihm ein großes Anliegen. Durch seine vielfältigen Beiträge, Projekte und Publikationen leistete er einen wichtigen Beitrag zum interkulturellen Wissenstransfer und regte neue Vorhaben im Bereich der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik an. 2013 wurde er in den wissenschaftlichen Beirat des ifa-Forschungsprogramms "Kultur und Außenpolitik" berufen.

Bernd Thum ist zeit seines Lebens ein neugieriger, kritischer und aufgeschlossener Wissenschaftler geblieben. Mit ihm zu diskutieren war die reine Freude. Er war ein verlässlicher Freund. Er wird meinem Team und mir sehr fehlen.

Caroline Robertson-von Trotha


Nachruf Honorarprofessor Dr. Hermann Glaser (28.8.1928 – 18.6.2018)

Elmar Konrad, Hermann Glaser, Caroline Y. Robertson-von Trotha und Erica Glaser (v.l.) beim Frühstück am Chiemsee und der Vorbereitung der 2. Karlsruher Gespräche 1997

 

Nur zwei Tage nach dem Tod von Bernd Thum verstarb Hermann Glaser, ein weiterer hochgeschätzter, renommierter und für uns verdienstvoller und hilfsbereiter Ratgeber beim Beginn des Interfakultativen Instituts für Angewandte Kulturwissenschaft (IAK) 1989. Seine weitreichenden theoretischen und wissensfundierten Überlegungen, die in zahlreichen erfolgreichen Publikationen dargelegt sind und seine jahrzehntelange Erfahrungen als Kulturdezernent der Stadt Nürnberg machten ihn zu einer bundesweit herausragender Leitfigur in der Kulturpolitik. Seine Interessen und seine profunde Bildung gingen aber weit darüber hinaus und haben uns in Karlsruhe sehr geholfen. Im Sinne des von ihm geprägten Begriffs Bürgerrecht Kultur hat er uns im Vorfeld der Institutsgründung über die Bedeutung der Vermittlung eines breit verstandenen Kulturbegriffs beraten. Die institutionelle Verpflichtung und damit die Erfüllung eines universitären Auftrags für die Verbindung von Forschung und Lehre war ein maßgeblicher Grund für die Gründung des IAK.

Nach seiner Pensionierung ehrte uns Hermann Glaser durch die Annahme einer Stiftungsgastprofessur am IAK, gestiftet von der Landeskreditbank Baden-Württemberg. Seine enormen kulturhistorischen Kenntnisse, seine pädagogische Erfahrung und seine ihn auszeichnende Methode des assoziativen Denkens faszinierten und begeisterten die Studierende des Begleitstudiums, die aus allen Disziplinen der damaligen Universität Karlsruhe (TH) kamen und seine Seminare zu geistreichen Entdeckungsreisen werden ließen. In Anlehnung an die Nürnberger Gespräche brachte Hermann Glaser die Idee der Initiierung der Karlsruher Gespräche ein und leitete diese 1997 zum Thema „Stadt – Ansichten“ und 1998 zum Thema „(Ohn)Macht der Politik“.

Mit Hermann Glaser zusammen zu arbeiten, Ideen zu entwickeln und gemeinsam umzusetzen, ihn in „Aktion“ zu erleben, war lehrreich, aber vor allem eine ganz besondere Freude. Seine Offenheit, sein Humor und seine wohltuende Uneitelkeit prägten seinen Umgang. Wer ihn kannte, weiß, was uns fehlt.

In großer Dankbarkeit

Caroline Robertson-von Trotha und das ZAK-Team