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World Science Café im Sommersemester 2017
Der Vormarsch des Autoritarismus in der Türkei

Wandel der Rechtsstaatlichkeit und Unterdrückung der Meinungsfreiheit

Mittwoch, 19.07.2017, 18:00 Uhr, Ort: Foyer des Präsidiumsgebäudes (Adolf-Würth-Gebäude, Geb. 11.30), im Ehrenhof, Engelbert-Arnold-Str. 2, KIT-Campus Süd - Lageplan (PDF ca.1 MB)

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Dr. Zafer Yilmaz

Dr. Zafer Yilmaz

Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Potsdam

Seit dem gescheiterten Staatsstreich im Juli 2016 steckt die türkische Demokratie in einer der entschiedensten Krisen. Mit Verhängung des Ausnahmezustands begann die Regierung ein gewaltiges Restaurierungsprogramm mit starken Auswirkungen für Verfassung, öffentliche Verwaltung und Zivilgesellschaft. Der Vortrag wird auf die Veränderungen in der türkischen Demokratie im Hinblick auf die neuesten Verfassungszusätze, den anhaltenden Ausnahmezustand und die gegenwärtige politische Entwicklung eingehen. Wie haben sich die neuesten politischen Entwicklungen auf die institutionelle Struktur des Staates, auf den öffentlichen Raum und auf die demokratische Politik ausgewirkt? Welche Rolle haben sie möglicherweise im Regimewechsel in der Türkei gespielt? In diesem Zusammenhang vertritt der Vortrag die These, dass eben diese Entwicklungen in der Türkei den Weg geebnet haben für den Übergang vom autoritären Populismus zum „plebiszitären autoritären Regime“. Ausgehend von den wesentlichen Charakteristika der türkischen Politik und seiner wichtigsten Tendenzen, die heute den Aufschwung von Autoritarismus befeuern, wird diskutiert, inwiefern der anhaltende Ausnahmezustand dem gegenwärtigen Regimewechsel die nötige Autorität verleiht. Die aktuellen Maßnahmen zur Einschränkung der Pressefreiheit spielen eine zentrale Rolle in diesem Wechsel. Hierfür werden die charakteristischen Merkmale des aufkeimenden plebiszitären Regimes in der Türkei kurz skizziert, um dadurch ein besseres Verständnis von der spezifischen Form und den wesentlichen Aspekten dieses Regimes zu ermöglichen. Abschließend wird der Vortrag versuchen zu klären ob die gegenwärtige Politik die Deinstitutionalisierung des Staates noch weiter vorantreiben wird und möglicherweise eine zunehmende Aushöhlung der Staatsgewalt, die Depolitisierung der Gesellschaft, die Unterdrückung der Opposition und eine Steigerung der autoritären Tendenzen in der türkischen Politik zur Folge haben wird.
 
 
Dr. Zafer Yılmaz studierte von 1999 bis 2004 an der Fakultät für Soziologie und Politikwissenschaften an der Middle East Technical University in Ankara. Er setzte seine Forschung unter anderem an der Soziologiefakultät der Freien Universität Berlin fort, an der Fakultät für Politik und Geschichte der Brunel University London und an der Ankara University, an der er 2011 mit einer Doktorarbeit über “Poverty and Uncertainty: Management of Poverty and Constitution of Social Question” promovierte. Von 2013 bis 2014 war Yilmaz als Gastwissenschaftler an der Soziologiefakultät der University of California, Berkeley, tätig. Seit 2017 ist er Gastwissenschaftler an der Fakultät für Wirtschaft- und Sozialwissenschaften am Centre for Citizenship, Social Pluralism and Religious Diversity der Universität Potsdam. Dr. Yilmaz ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und hat an verschiedenen internationalen Konferenzen und Workshops teilgenommen. Sein Forschungsgebiet erstreckt sich über Arbeit und die Rolle des Staates, Tradition und politische Protestkulturen, sowie zuletzt auf den Vormarsch des Autoritarismus, den Wandel in der Rechtsstaatlichkeit und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in der Türkei.